Zeitung Heute : HEUTE ERSTES WM-SPIEL DER DEUTSCHEN MANNSCHAFT GEGEN DIE USA: Vogts setzt auf Möller und Häßler

KLAUS ROCCA

NIZZA .Auch Berti Vogts ist ein Mensch.Wer wollte es verkennen? Und Menschen haben nun mal vor Premieren Lampenfieber.Auch der Bundestrainer.Dann ist er unleidlich, aggressiv, krampfhaft witzelnd, hinter jeder Frage Böses ahnend.So wie gestern bei der Pressekonferenz vor dem Abflug nach Paris.Die Aufstellung sei, so Vogts, völlig egal, die Einstellung sei entscheidend.Als ob es jemanden im Kreise seiner Schutzbefohlenen gäbe, der nicht mit der richtigen Einstellung ins heutige WM-Premienspiel der deutschen Fußballer gegen die USA (21 Uhr, live in der ARD) ginge.

Stichwort Aufstellung.Offiziell gab er keine Auskunft darüber, welcher Elf er im Prinzenparkstadion das Vertrauen schenken wird, doch die Formation steht."Ich will den Gegner vielleicht überraschen.Das muß man dem Trainer der Nationalmannschaft zugestehen", sagte Vogts und verweigerte damit Antworten auf Personalfragen.Doch intern scheint alles klar: Bei der Besetzung des offensiven Mittelfeld-Postens entschied sich der Bundestrainer, entgegen vieler gegensätzlicher Äußerungen nach den WM-Tests, für das Gespann Andreas Möller und Thomas Häßler.Libero wird Olaf Thon sein, Lothar Matthäus dürfte erst einmal auf der Bank Platz nehmen müssen, Christian Zieges Einsatz bleibt fraglich.

Stichwort Einstellung.Diese kann nur heißen: gegen den Außenseiter siegen.Damit nicht das große Lamento, das große Zittern beginnt.Dann würde Vogts sicher noch unleidlicher werden.Vielleicht ist es auch der Lagerkoller, der manchem im DFB-Kreis schon aufs Gemüt schlägt.Geschlagene vier Wochen sind sie heute, mit einer kleinen Unterbrechung nach dem Spiel gegen Kolumbien, gewissermaßen kaserniert.Dabei geht es jetzt für sie erst richtig los, bei dieser aufgeblähten Weltmeisterschaft.Zöge das DFB-Team am 12.Juli ins Endspiel ein, wäre es noch einmal 28 Tage zusammen.

"Wir sind alle froh, daß es nun richtig losgeht", gibt Andreas Köpke die Stimmung wider.Den Blick aufs Mittelmeer kennt er ohnehin zur Genüge, hat er ihn doch von seinem Wohnsitz in Cassis bei Marseille.Daß Köpke, früher auch beim SC Charlottenburg und Hertha BSC, heute sein erstes WM-Spiel bestreitet, nimmt wunder, denn immerhin ist er schon 36 und seit neun Jahren im Nationalmannschaftskreis.

Es spricht einiges dafür, daß Köpke heute nicht übermäßig geprüft wird von den USA, über die Bernd Schuster lästert, sie blieben "immer die kleine Maus" im Weltfußball.Auch Mäuse können bissig sein und beträchtlichen Schaden anrichten.Doch alles andere als ein deutscher Sieg im ersten Spiel wäre eine Riesenenttäuschung.Vor vier Jahren begann die DFB-Auswahl mit einem mageren 1:0 gegen den späteren Gruppenletzten Bolivien.Die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Serie als große Turniermannschaft zerstob schnell, Bulgarien war bekanntlich nach kümmerlichen Spielen im Viertelfinale Endstation.Vielleicht auch, weil die unerbittliche Hitze ihren Tribut forderte.

Gestern bestätigte Vogts, daß seine Mannschaft nun endlich fit sei.Gut zu hören.Fragt sich nur, ob sie mit ihrem hohen Durchschnittsalter bei einem derartigen Mammutturnier mit ihren Kräften haushalten kann.Die US-Amerikaner und die Iraner werden ihr sicher nicht alles abfordern, schon eher die starken Jugoslawen.Doch die Vorrunde kann ohnehin nur eine Zwischenstation auf dem Weg ins Achtelfinale sein.Und das Achtelfinale, davon geht jeder aus, erreicht das deutsche Team.Der heutige Aufgalopp ist lediglich Pflichtprogramm, die Kür kommt später.Was nicht heißen soll, daß auch die Pflicht mit Bravour absolviert werden kann.

ARD - live 21 Uhr: Deutschland - USA

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