Zeitung Heute : HEUTE ZEITFAHREN ÜBER 52 KILOMETER BEI DER TOUR: "Marco Pantani werden Flügel wachsen"

MONTCEAU-LES-MINES (sid).Jan Ullrich ist ein Himmelstürmer, aber kein Traumtänzer: "Ich habe fast sechs Minuten Rückstand auf Marco Pantani.Die auf nur 52 Kilometern aufzuholen, das ist nie im Leben machbar." Am heutigen Sonnabend um 16.04 Uhr geht der Merdinger in Montceau-les-Mines, das seinen Namen den Kohlegruben verdankt, bei der Tour de France an den Start des Zeitfahrens nach Le Creusot.Doch das Gelbe Trikot wird er dabei nicht wie beim ersten Kampf gegen die Uhr wieder zu Tage fördern können: "Mein Ziel ist der dritte Tagessieg bei dieser Tour und Platz zwei auf dem Podium in Paris", sagt er.

Die Strecke ist "wellig und kantig", wie Rudy Pevenage sie beschreibt, der sie als einziger im Team Telekom vorher besichtigt hat: "Ein fast ständiges Auf und Ab, wo Jan selten einmal seine Rollerqualitäten ausspielen kann." Die Anstiege sind zwar nur kurz, kommen aber durchaus Pantani entgegen.Die letzten 600 Meter geht es mit 5,8 Prozent Steigung bergauf.

Ullrich wird wie beim ersten Zeitfahren genau zwei Wochen zuvor wieder die Neuentwicklung "Pinarello 2000" besteigen, also auf einen Triathlonlenker verzichten: "Das ist auf Anhieb mein Lieblingsrad geworden." Damals nahm er auf längerer Distanz über 58 Kilometer dem Italiener 4:21 Minuten ab, doch diesmal ist die Ausgangsposition anders: "Pantani werden im Gelben Trikot Flügel wachsen, das hat schon der Giro gezeigt und ist ganz normal." Dort verteidigte der "Pirat" seinen Vorsprung entgegen allen Prognosen gegen den Russen Pawel Tonkow souverän, der als viel besserer Zeitfahrer galt."Außerdem startet Marco sechs Minuten hinter mir und kann sich ständig orientieren.Es ist absolut unrealistisch, jetzt noch an den Gesamtsieg für mich zu denken."

Platz zwei allerdings bleibt in Reichweite, nur 14 Sekunden trennen Ullrich vom Amerikaner Bobby Julich, den er in Corrèze um 1:18 Minuten hinter sich ließ.Trotzdem bleibt der Titelverteidiger vorsichtig: "Julich hat eine ganz große Tour gefahren.Es kommt auch darauf an, wer mehr Kraftreserven hat.Wenn ich als Dritter in Paris ankomme, freue ich mich genauso für mich und für unsere Mannschaft."

Walter Godefroot sieht es nicht anders: "Jan ist 24 Jahre jung.Wenn er in diesem Alter bei seiner dritten Tour zum dritten Mal in Paris auf dem Podium steht, ist das eine Leistung, die kein anderer vor ihm geschafft hat".Der Mediziner staunt, der Pschychologe zweifelt."Körperlich hat er die Anstrengungen der zwei schwersten Alpen-Etappen bestens weggesteckt, vielleicht sind am Samstag zwei oder drei Minuten auf Marco Pantani möglich", beurteilte Telekom- Mannschaftsarzt Lothar Heinrich den Zustand und die Ausichten Jan Ullrichs.An ein "Wunder in Gelb" denkt niemand ernsthaft."Er ist besser drauf als zum Tour-Ende im Vorjahr, aber durch die ganzen Vorfälle ist in seinem Kopf etwas zerbrochen", vermutet Ullrich-Intimus Rudy Pevenage, zweiter Sportlicher Leiter bei Telekom.Godefroot zieht derweil schon mal Bilanz: "Wenn wir durch Erik Zabel dazu zum dritten Mal das Grüne Trikot holen, durch Jan und Jens Heppner schon jetzt drei Etappen gewonnen haben, können wir sehr zufrieden sein."

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar