Zeitung Heute : „Hier liegen Wurzeln der Menschheit“ Die Ministerin Letitia Navarro über das touristische Angebot Mexikos

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Bertha Letitia

Navarro Ochoa, 49,

ist seit Dezember 2002 Staatsministerin für Tourismus in Mexiko. Vorher war sie in Spitzenpositionen internationaler Wirtschaftsunternehmen tätig. Foto: promo

Frau Navarro, die AztekenAusstellung im Gropius-Bau zeigt einen wichtigen Teil der mexikanischen Geschichte, den Aufstieg und Fall einer frühen Hochkultur. Was hat diese alte Geschichte der modernen Welt zu sagen?

Sie hilft zu verstehen, woher wir kommen. Geschichte erklärt, warum wir bestimmte Werte respektieren. Für uns ist es sehr wichtig, Teil dieser Wurzeln zu sein und zu verstehen, woher wir kommen. Aber auch die Deutschen sind sehr an mexikanischer Kultur interessiert, wahrscheinlich, weil hier wichtige Wurzeln der Menschheit liegen.

Jedes Jahr besuchen 300 000 Deutsche Mexiko. Welches Image haben sie dort als Touristen?

Deutsche sind exzellente Touristen. Sie respektieren unsere Kultur und unsere Traditionen. Kürzlich unternahm ich eine Geschäftsreise zu den Maya-Pyramiden in Calakmul, dem neuen Weltkulturerbe der Unesco. Dort traf ich ein deutsches Paar. Ich fragte sie: ,Was meinen Sie, wie könnten wir unsere Kulturstätten attraktiver machen?’ Sie sagten: ,Lassen sie es einfach so, wie es ist.’ Das war eine wunderbare Antwort. Es zeigt, dass sie die Dinge so genießen, wie sie sind.

Viele Touristen kommen aber nicht wegen der Kulturschätze in Ihr Land.

Mexiko bietet eben eine enorme Vielfalt. Wenn man Spaß haben will, sich vergnügen will, geht das am Pazifik in Acapulco oder in Cancun. Die mexikanische Karibik ist ein Ort für Naturliebhaber. Wenn Sie in einer ruhigen Umgebung relaxen wollen, können Sie in eine der wundervollen alten Haciendas mitten im Dschungel gehen. Wenn Sie in das Innere des Landes kommen, werden Sie die Kolonialzeit entdecken, Sie können sehen, wie Mexiko vor 400, 500 Jahren war. Hier finden Sie die mexikanische Kultur vereint mit der kolonialen. Ein wundervolles Beispiel dafür ist Mexiko-Stadt selbst. Hier steht die Ruine des Templo Mayor neben all den neuen Museen, direkt daneben der Nationalpalast und die Kathedrale, die auf die Kolonialzeit zurückgeht. Und dann gibt es das moderne Mexiko, das in eine globalisierte Welt eingebunden ist. Unser Slogan lautet: „Ein Land - tausend Welten“.

In welchem Maß hat sich die weltweite Konjunkturflaute in Mexiko bemerkbar gemacht?

Gegenüber den Top-Zeiten war das vergangene Jahr eine wirkliche Herausforderung für uns. In Folge der Terror-Attentate des 11. September 2001 haben der Staat und die Privatwirtschaft ein gemeinsames Programm gestartet, durch das wir im Tourismus 5,5 Prozent mehr Umsatz gemacht haben als im vorherigen Jahr. 2002 hatten wir 8,9 Milliarden Dollar Einnahmen durch Tourismus. Damit ist diese Branche die drittgrößte Devisenquelle unseres Landes.

Das Gespräch führte Roland Koch.

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