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Bundeskanzler Schröder fährt nach Libyen. Was muss geschehen, damit deutsche Firmen in Libyen investieren? Wie sind die Zukunftsaussichten für das Libyengeschäft?

Seit Monaten pilgern Wirtschaftsbosse aus Europa und den USA in diskreter Mission nach Tripolis, in die Hauptstadt des geläuterten „Schurkenstaates“ Libyen. Nachdem die USA, die Vereinten Nationen und nun auch die Europäische Union Sanktionen und Embargos schrittweise aufgehoben haben, winken der westlichen Wirtschaft im maroden, aber an Öl reichen Wüstenstaat Milliardengeschäfte.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird bei seinem Besuch in Tripolis den Türöffner für die deutsche Wirtschaft spielen. Die Aussichten für die zwei Dutzend deutschen Manager, die im Schlepptau Schröders um Aufträge buhlen, sind nicht schlecht: Denn die Deutschen sind gerne gesehen in dem nordafrikanischen Staat, haben sie doch ihre Kontakte nach Libyen auch in den vergangenen Jahren nie ganz einschlafen lassen.

Zu tun gibt es in der islamisch-sozialistischen Republik jedenfalls genug, schließlich muss die Infrastruktur des Landes nach jahrelanger Isolation wieder auf Vordermann gebracht werden: Kraftwerke, Zuglinien, Wasserkanäle, Straßen – alles Aufgaben, bei denen deutsche Konzerne zum Zug kommen könnten. Auch seine Telefonnetze will Libyen demnächst ausbauen.

Am nötigen Geld für all diese Aufträge mangelt es dem Land nicht – vor allem nicht in Zeiten steigender Ölpreise. Nach Expertenschätzungen belaufen sich die libyschen Devisenreserven aus dem Verkauf von Öl auf knapp 20 Milliarden Dollar.

Noch liegt die Ölförderung des Landes bei 1,2 Millionen Barrel am Tag, in den nächsten 15 Jahren soll diese Menge verdreifacht werden. Dabei sind rund 70 Prozent des Landes, das etwa fünfmal so groß ist wie Deutschland, noch gar nicht auf Öl- und Gasvorkommen untersucht worden. Viele Milliarden Barrel werden noch unter der Erde vermutet, die den Gaddafi-Staat zum wohl reichsten Land des afrikanischen Kontinents machen dürften. Gerade in der Ölindustrie wächst damit der Investitionsbedarf – und damit die Nachfrage nach Maschinen und Stahl mit dem Siegel „Made in Germany“.

Die Vorfreude auf gute Geschäfte steht deutschen Unternehmern daher förmlich ins Gesicht geschrieben. So rechnen Fachleute des Industrie- und Handelskammertags (DIHK) schon in diesem Jahr mit einem Exportwachstum von 14 Prozent auf über 600 Millionen Euro.

Doch auch in den bisher unterentwickelten Tourismus will Libyen viel Geld stecken und mit dem Nachbarland Tunesien konkurrieren. Entsprechende Hotelbauten sind schon geplant. Statt wie bisher 300 000 sollen bald eine Million Gäste pro Jahr ins Wüstenland kommen, um dort unter den Augen des allgegenwärtigen „Revolutionsführers“ Gaddafi Ferien zu machen. ze/awm

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