Zeitung Heute : Hightech statt Handarbeit

Auf dem zweiten Pro Europe Congress in Berlin geht es um die Zukunft des Recyclings

Roland Koch

Es soll ein krönender Abschluss werden. Wenn sich heute und morgen 600 Recycling-Experten aus 35 Ländern in der Berliner Humboldt-Universität treffen, werden sie mit Politikern, Wirtschaftsexperten und Vertretern von Umweltverbänden diskutieren. Es geht dann um die Zukunft des Recyclings. Der Pro Europe Congress bildet den Höhepunkt der Europäischen Recyclingwoche (ERW) – hier trifft sich, wer Rang und Namen in der Branche hat.

Der Grüne Punkt ist längst ein Exportschlager. Die Zahl der Partnerländer, die mit solch einem System die Wiederverwertung ihres Mülls organisieren, ist mittlerweile auf 22 gestiegen. Auf dem ersten Kongress, im Jahr 2001 in Madrid, waren es noch 13. Doch das Thema gehört nach wie vor in die öffentliche Diskussion, meint der europäische Dachverband des Grünen Punkts, Pro Europe. Er will mit dem Kongress wie mit der Recyclingwoche über den Sinn der Abfalltrennung informieren. „Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir der Öffentlichkeit zeigen, welche Bedeutung die Verpackungsverwertung für den Umweltschutz hat und wie sich die Branche fit für kommende Herausforderungen macht“, sagt Hans-Peter Repnik, der Vorstandsvorsitzende der Duales System Deutschland AG. Im Mittelpunkt der Aktionen der ERW standen deshalb technische Innovationen. „Denn seit der Einführung des Grünen Punkts vor fast 14 Jahren hat sich in diesem Bereich viel verändert“, meint Repnik, der auch Vorsitzender von Pro Europe ist. Die Sortierung von Leichtverpackungen wandelte sich beispielsweise von der reinen Handarbeit zur Hightech-Industrie.

Der zweite Pro Europe Congress steht unter dem Motto „Green Dot 2004 – Recycling Benefits for Future Generations“. Die Schirmherrschaft hat der ehemalige tschechische Staatspräsident, Václav Havel, übernommen. Die Müllexperten werden über die Wechselwirkungen zwischen Recycling, Nachhaltigkeit und Gesellschaft sprechen. Dabei geht es in Vorträgen und Diskussionen zum Beispiel um Strategien zur Vermeidung von Verpackungsmüll, um neue Märkte für Recyclingprodukte oder die Umwelterziehung von Kindern und Jugendlichen.

Eine besondere Rolle wird auf dem Kongress deshalb auch das erste europäische Jugendökoparlament spielen, das European Youth Eco-Parliament. 120 Jugendliche tagen parallel zum Pro Europe Congress in Berlin und überreichen dort Repräsentanten des Europäischen Parlaments ein so genanntes „Weißbuch“. Darin haben sie ihre Forderungen an eine europäische Umweltpolitik formuliert. In nationalen Komitees haben die 13- bis 15-Jährigen zuvor Resolutionen zu den Themen Abfall, Wasser, Energie, Luft und Nahrungsmittel erarbeitet.

Im Rahmen der Europäischen Recyclingwoche finden seit dem 18. September in vielen Ländern Europas Aktionen rund ums Thema Recycling statt. In Sortier- und Verwertungsbetrieben – unter anderem auch bei Alba in Berlin – konnten sich Verbraucher über modernes Verpackungsrecycling informieren und über Umweltthemen diskutieren.

Weitere Infos im Internet unter:

www.proeurope-congress.com

Seit 1991 gibt es in Deutschland das Duale System und mit ihm die Gelbe Tonne beziehungsweise die Gelben Säcke. In ihnen wird der Leichtverpackungsmüll gesammelt, der mit einem Grünen Punkt gekennzeichnet ist. Denn diese Wertstoffe eignen sich fürs Recycling.

Eine Gelbe Tonne fasst 240 Liter Müll . Seit der Einführung des Dualen Systems wurden in Deutschland insgesamt 57 Millionen Tonnen so genannter Sekundärrohstoffe gesammelt.

Die Hersteller der Verpackungen und der Handel finanzieren das System über Lizenzentgelte. Gesetzlich geregelt ist dieses Kreislaufprinzip durch eine Verpackungsverordnung .

In Europa nutzen mittlerweile 22 Länder den Grünen Punkt als Finanzierungszeichen für das Recycling. So nutzen auch neun der zehn neuen Beitrittsländer bereits den Grünen Punkt. Estland wird sich als zehntes noch in diesem Jahr anschließen.

Der europäische Dachverband der Grüner- Punkt-Systeme heißt Pro Europe (Packaging Recovery Organisation Europe).

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