Zeitung Heute : Hilfe im Kabelwirrwarr

UTE MEHNERT (AFP)

Beim Umzug von Netzwerkensind Spezialisten gefragtVon UTE MEHNERT (AFP) Wenn große Unternehmen, Behörden oder Verbände umziehen, mag manchen Mitarbeitern das Kofferpacken persönlich schwerfallen.Rein arbeitstechnisch ist ihre "Verlegung" aber kein Problem.Der Mensch holt sich einen Kaffee, setzt sich in sein neues Büro und ist startbereit.Ganz anders sieht die Sache aus, wenn der Kollege Computer umzieht.Wo nicht nur Hunderte Einzelgeräte von der Maus bis zum Drucker, sondern ganze Netzwerke übers Wochenende oder womöglich über Nacht ab- und wieder aufgebaut werden müssen, sind Möbelpacker überfordert.Einige Dienstleistungsfirmen haben sich deshalb auf solche Groß-Umzüge spezialisiert.Mit dem bevorstehenden Berlin-Umzug hofft die Branche nun auch mit Regierung und Parlament ins Geschäft zu kommen. Die Bonner Firma Compro entdeckte die Marktlücke als eine der ersten.Seit 1992 hat sie insgesamt 10 000 vernetzte Arbeitsplätze bewegt.So verfrachtete sie 2000 Arbeitsplätze der Deutschen Telekom in deren neue Bonner Zentrale.1997 zog die Verwaltung des Autoherstellers Opel mit Compro um, in diesem Jahr organisiert die Firma unter anderem den Umzug des Kölner Dumont-Verlags. Wo neben Büromöbeln und Karteikästen sensible Daten und Technik zu transportieren sind, ist generalstabsmäßige Planung ein Muß.Bis zu 250 Arbeitsplätze lassen sich zwar buchstäblich über Nacht verlagern, größere Umzüge wickelt Compro übers Wochenende ab.Doch die Vorbereitungsphase kann bei größeren Kunden anderthalb bis drei Jahre dauern. Beim Umzug selbst setzt die Firma von ihren eigenen Leuten zunächst Techniker ein, die alle Geräte ab- und anmontieren.Wenn System und Programme dann nicht funktionieren, rückt ein Expertenteam aus Informatikern und Systemspezialisten an.Sollten auch sie das Netzwerk nicht zum Laufen bringen, steht schließlich noch ein Ersatz-System bereit. Eine solche Dienstleistung inklusive Arbeitsfähigkeits-Garantie hat ihren Preis.Der Umzug von 1000 Arbeitsplätzen kostet allein für die Informations- und Kommunikationstechnik 800 000 bis 900 000 Mark.Doch trotz ausgefeilter Planung, trotz ausgeklügelter Sicherheitsvorkehrungen bleibt ein solcher Umzug eine Zitterpartie.Und nichts fürchtet Schukai mehr als den Teufel im Detail: "Was nützt der perfekteste Transport, wenn sich bei der Ankunft herausstellt, daß niemand den Büroschlüssel hat?" Natürlich hofft die Bonner Firma jetzt auch auf ein Stück vom großen Kuchen des Berlin-Umzugs.Immerhin soll nach Angaben des Bundesbauministers ein Gesamtvolumen von 17 000 Arbeitsplätzen verlagert werden.Bislang scheint jedoch kein Büroschlüssel zu einem Ministerium in Reichweite.Das Wirtschaftsministerium zum Beispiel ist mit seiner Außenstelle in Berlin bereits vernetzt.Und das Bauministerium ist gelassen.Ob Netzwerk oder Büroeinrichtung überhaupt nach Berlin mitgenommen würden, sei noch offen, sagt eine Ministeriumssprecherin."Wenn die Bundesbehörde, die nach uns hier einzieht, Bedarf anmeldet, lassen wir die alten Möbel und Computer vielleicht sogar in Bonn."

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