Zeitung Heute : Hilfe in Zeiten der Cholera

Paul Janositz

Nach der Flut sind Millionen Menschen von Seuchen wie Cholera und Typhus bedroht. Was macht diese Seuchen so gefährlich und was muss zu ihrer Bekämpfung geschehen?

„Der zentrale Punkt ist sauberes Wasser“, sagt Petra Meyer, Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. „Man muss die sanitären Verhältnisse in den Griff kriegen“, erklärt Marion Aberle von der Deutschen Welthungerhilfe in Bonn. Nicht das Leichengift, das oft als gefährlichste Ursache für verseuchte Umwelt in den Katastrophengebieten genannt werde, sei das Hauptproblem. Sondern die weggespülten Latrinen, die den Menschen zwingen, die Notdurft im Freien zu verrichten. Bereits die Flut hat viel Unrat aus dem Untergrund gespült. Die ungeklärte Brühe drückte in die Trinkwasserbrunnen.

Verunreinigtes Wasser führt zu Durchfallerkrankungen. Und diese werden durch Erbrochenes oder Fäkalien leicht übertragen, wenn Menschen unter engen Verhältnissen zusammenleben müssen. Durchfall trocknet die geschwächten Körper zusätzlich aus, außerdem werden lebenswichtige Mineralien ausgeschwemmt. Flüssigkeit muss also unter allen Umständen aufgenommen werden. Ist aber das Trinkwasser mit Erregern verseucht, entsteht ein fürchterlicher Kreislauf. Zudem können Virusinfektionen wie Hepatitis A („Gelbsucht“) oder die so genannte Amöbenruhr übertragen werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Helfer setzen deshalb alles daran, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Sonst könne es zu noch mehr Todesfällen kommen, fürchtet WHO-Sprecherin Fadela Chaib. Millionen von Wasserreinigungstabletten habe man in die betroffenen Gebiete geschickt. „Die Deutsche Welthungerhilfe pumpt in Sri Lanka verunreinigte Brunnen leer und desinfiziert mit Chlor“, erklärt Aberle. Neue Rohre würden verlegt, zentrale Wasserstationen angelegt und neue Latrinen gebaut. Im Einsatz sind auch mobile Filteranlagen. Damit soll verhindert werden, dass schwere Infektionskrankheiten, Cholera beispielsweise, ausbrechen. Unter den entsetzlichen hygienischen Verhältnissen würde die infektiöse Darmerkrankung schnell zur nicht mehr beherrschbaren Epidemie werden. Zur Therapie dienen Antibiotika. Unbehandelt führt die Krankheit nach heftigen Brechdurchfällen durch Austrocknung oft zum Tode. Auch Tütchen mit Mineralien werden ins Katastrophengebiet geliefert, die Spurenelemente lassen sich auch intravenös zuführen. Lebensgefährlich könnte auch der bakteriell bedingte Typhus werden. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Massenimpfungen gegen Cholera oder Typhus wären in der Katastrophensituation nicht effektiv, sagt Petra Meyer. Das hätte präventiv geschehen müssen. Derzeit hat die Hilfsorganisation 40 Ärzte im Einsatz. In Indonesien werden drei mobile Kliniken aufgebaut. Mit Helikoptern versuchen die Ärzte ohne Grenzen, auch entlegene Küstengebiete zu erreichen.

Angesichts der vielen Tümpel, die sich durch die Flut und den Regen gebildet haben, muss man auch mit Krankheiten rechnen, die durch Mückenstiche übertragen werden. Dazu zählen das Denguefieber, die Japan-Enzephalitis oder die Malaria, eine Krankheit, die in den betroffenen Ländern ohnehin immer wieder auftritt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar