Zeitung Heute : Hillbrow Kids in Johannesburg - Südafrikas Straßenkinder sind kein Erbe der Apartheid allein

Südafrikas Straßenkinder sind kein Erbe der Apartheid allein, wie die heutige Erstausstrahlung eines Arte-Dokumentarfilms um 20 Uhr 40 zeigt. Michael Hammon und Jacqueline Görgen haben sich auf den Straßen des inzwischen heruntergekommenen Amüsierviertels Hillbrow umgeschaut und einer Gruppe schwarzer Heranwachsender ein Jahr lang bei ihrem Kampf ums nackte Überleben zugesehen. "Einst lebte eine Familie ... Mutter und Vater waren ganz normale Menschen, wie du und ich, aber aus irgendeinem Grunde waren ihre Kinder anders . . ", erzählt eine alte Frau und beobachtet das Leben der Straßenkinder. Die Kinder sind, anders als ihre Eltern, nicht mehr bereit zu ertragen, zu verzichten, zu verlieren. Vusi wünscht sich ein Fahrrad - ein Synonym für eine heile Kindheit. Silas hat furchtbare Zahnschmerzen und hat noch nie eine Klinik von innen gesehen. Bheki schnüffelt Klebstoff, Glue. Sie betteln um Geld und Liebe, vegetieren in Verschlägen unter Autobahnbrücken vor sich hin, angelockt vom Mythos der Stadt Johannesburg, der Stadt des Geldes, des Goldes. Armut, Arbeitslosigkeit, zerrüttete Familienverhältnisse und Brutalität haben sie auf die Straßen dieser Stadt getrieben. Sie wollen aufhören mit diesem Leben, doch wissen nicht, wie man das macht: Die Zukunft gestalten. Sie alle stammen aus den Townships, den Gettos, den Slums der Schwarzen, wo es die Regierung Mandela noch längst nicht vermochte, die Spuren des Apartheidregimes zu verwischen. Der beeindruckende Film - eine einfühlsame Bestandsaufnahme - betrachtet das neue Südafrika ausschließlich durch die Augen der Straßenkinder.

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