Zeitung Heute : HINTER DEN KULISSEN

Der Tagesspiegel

In Geldfragen kennen die Bezirksbürgermeister keine Parteien mehr. Alle zwölf heizen dem Regierenden Klaus Wowereit und seinem Sparkommissar Thilo Sarrazin (beide SPD) solidarisch ein. Als nun der Finanzsenator im Rat der Bürgermeister seinen dicken Aktenkoffer öffnete, fiel auf, dass in den Lederschlaufen des Kofferdeckels keine Schreibstifte steckten – bis auf einen Rotstift. Die Runde nahm es frotzelnd als Beweis für unerbittliche Rotstiftpolitik.

Etwas verspätet erschien die Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses. Der FDP-Fraktionschef und Rechtspolitiker Martin Lindner dozierte gerade eloquent über die Folgen, falls Senatsmitglieder als Stasi-IM entlarvt würden: „Senatoren kann man doch los werden.“ Sie hörte im Hereinkommen nur den letzten Satz, reagierte aber blitzschnell: „Das ist ja eine nette Begrüßung.“ So wurde Frau Schubert wohlwollend heiter begrüßt.

Verschmitzt gab die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel in der Fraktionsklausur der Berliner CDU im Brandenburgischen Trost und Rat. Die Runde trieb die Frage um, wie man jüngere Wähler gewinnen kann. Antwort von Frau Merkel: „Entweder in die richtigen Fernsehsendungen gehen oder die richtige Sprache sprechen oder etwas Lustiges machen.“ Nun hat die Berliner Union derzeit bekanntlich wenig zu lachen. Folglich kam prompt die Frage, was denn lustig sei. Frau Merkel selbstironisch: „Na, wenn man die richtige Frisur trägt, so wie ich.“ Da blickte Fraktionschef Frank Steffel auf den spärlich behaarten Brandenburger Gast Jörg Schönbohm und fragte, wie es Schönbohm mit seiner Frisur halten solle. Steffel bekam keine Antwort. Doch die Frage der richtigen Frisur ließ ihn offenbar nicht mehr los. Als Frau Merkel wieder fort war, strich er sich über den dichten Haarschopf und verkündete den Seinen: „Das mit der Frisur muss ich mir auch noch mal überlegen.“

Juliane Freifrau von Friesen, die frühere Wirtschaftssenatorin auf dem Ticket der Grünen, hatte in Wiesbaden zu tun. Da lachte sie bei der Lektüre einer Wiesbadener Zeitung unter der Rubrik „Ratgeber Haus und Familie“ Klaus Wowereit auf einem Foto an. Es war die Illustration zu einem Artikel, der beschrieb, dass es viele Familien noch als belastend empfinden, wenn sich ein Sohn als schwul outet. Wowereits Outing wurde als Beitrag zum Abbau von Barrieren hervorgehoben. Frau von Friesen steckte die Zeitung ein und überreichte sie Wowereit anlässlich eines Empfanges mit den Worten: „Überall hätte ich Sie vermutet, aber nicht unter Ratgeber Haus und Familie“. Er soll sehr gelacht haben.

Kleider machen Leute. Seit er stellvertretender Senatssprecher ist, hat sich Günter Kolodziej (PDS) Krawattenzwang auferlegt. Er will schließlich Figur machen. Kaum im Amt, ging er das Problem systematisch an. Kolodziej packte Anzüge und Hemden ein und holte sich bei einem Profi, den er als Berater in Sachen PDS-Wahlwerbung kennt, „Stilberatung“. Der gab ihm jede Menge Tipps. Zum Beispiel, dass Hemden mit „Haifischkragen“ (breit auseinanderstehende Ecken) günstig für ihn sind, dass Knöpfchenkragen angeblich out sind, dass es normale (längliche) und „frische“ (breite) Schlipsknoten gibt, dass man Umschlaghosen nur zum Straßenanzug trägt. Überhaupt soll der schmale, 168 Zentimeter große Herr Kolodziej gefälligst eine Weste unter dem Jackett tragen. Warum? Damit der Schlips nicht so lang baumelt. Er soll auch nur kleingemusterte Krawatten tragen, die ihn „nicht erschlagen“. Der Stilberater gab ihm auch noch drei Standardwerke über die richtige Herrenbekleidung mit. Nach gewissenhafter Lektüre ging Kolodziej einkaufen. Nun ist er für jede Gelegenheit gewappnet.

Nach drei Jahren als Parteisprecherin der Berliner SPD wechselt Anja Sprogies zum 1. April ins Willy-Brandt-Haus. Sie wird Pressereferentin unter dem Bundesparteisprecher Lars Kühn. Wie sich das Jobkarussell so dreht: Michael Donnermeyer rückte vom Bundesparteisprecher zum Senatssprecher auf; Lars Kühn rückte vom Presserefenten zum Bundesparteisprecher auf; Anja Sprogies rückt auf den früheren Kühn-Platz. Sie habe im letzten Jahr des Berliner Machtwechsels und Wahlkampfes so viel gelernt, „dass ich etwas Neues lernen will“, strahlt Anja Sprogies (36), Mutter zweier Kinder. Sie will „im Bundestagswahlkampf helfen, dass Gerhard Schröder Kanzler bleibt“. Da hat sie aber zu tun. Brigitte Grunert

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