Zeitung Heute : Hinter den Linden: Sonderkonferenzen

Stephan-Andreas Casdorff

Es gibt ja nicht so oft Grund zum Feiern für einen Ministerpräsidenten. Das ist ein harter Job, und manchmal steht da was auf der Kippe. Wirtschaftlich und auch sonst. Diese Erfahrung macht von den Länderfürsten jeder, was bedeutet: auch Kurt Hans Biedenkopf, der "König von Sachsen". Wie wir wissen, sind inzwischen manche, sagen wir: Lehensleute, von Biedenkopf abgefallen. Einer wollte sogar mitbestimmen, wie es weitergeht. Das macht Biedenkopf nun aus doppeltem Grund zu schaffen.

Aber im Kreise seinesgleichen lässt sich das schon mal vergessen. Selbst wenn in der hochwohllöblichen Riege der Regenten (politisch) unterschiedliche Meinungen herrschen - sie halten zusammen, bestimmt mehr, als sie öffentlich zugeben würden. Und sie feiern zusammen. Allerdings in Maßen, wie es sich gehört. Schon angesichts der knappen Kassen.

Nehmen wir die Sonderkonferenz in Wiesbaden. Da sprachen die Dame und die Herren der Länder bis tief in die Nacht hinein über den so genannten Länderfinanzausgleich. Ein schwieriges Thema, da wird um jede Mark gefeilscht. Bis die Sitzung um Mitternacht jählings unterbrochen wurde: Die Türen flogen auf, dienstbare Geister servierten Champagner. Alle erhoben sich von ihren Plätzen und gaben Biedenkopf ein Ständchen: Er hatte Geburtstag, wurde 71 - "Biko" ist vom Jahrgang Kohl. Allerdings dauerte die Feier nur ein Viertelstündchen, dann eilte der Jubilar, um mit der wartenden Gemahlin Ingrid anzustoßen.

Bei der nächsten Ministerpräsidenten-Konferenz wird es wohl um das Thema Mitbestimmung gehen. Biedenkopf gilt hier als Experte.

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