HISTORIENDRAMA „Die Päpstin“ : Im Auftrag der Herrin

G,a Bartels

Ein großes Historiengemälde, gequetscht in einen zu kleinen Rahmen. Das ist der Eindruck, den die trotz einer Spieldauer von zweieinhalb Stunden recht kurzweilige „Päpstin“ hinterlässt. Dabei hat der Weltbestseller von Donna Woolfolk Cross, der allein in Deutschland sagenhafte fünf Millionen mal verkauft wurde, doch alles für den ganz großen Kinowurf: eine Legende als Motiv, pittoreskes Mittelalter als Kulisse, eine einzigartige Heldin, Ränkespiel, Gewalt, Liebe, Hass, Bigotterie und vor allem jede Menge Schicksal, auch göttliche Fügung genannt. Trotzdem fehlt Regisseur Sönke Wortmanns Film inszenatorisch und visuell der große epische Atem, den Dramen im prachtvollen religiösen Ornat verdient haben. Ob das bei Volker Schlöndorff auch passiert wäre? Der flog als Regisseur der „Päpstin“ raus, nachdem er die Verwertung von Kinofilmen als Fernsehmehrteiler kritisierte. Ins Fernsehen passen die meist halb nahen bis nahen Kameraeinstellungen im Film jedenfalls bestens, die Kinosehnsucht nach überlebensgroßen Bildern bleibt dagegen unerfüllt.

Unerfüllt bliebe im bettelarmen Ingelheim des neunten Jahrhunderts fast auch Johannas unstillbare Sehnsucht nach Wissen. Ihr Vater (Iain Glen), ein Priester und Frauenhasser vor dem Herrn, verbietet dem Kind, Schreiben und Lesen zu lernen. Das gebildete Frauen unnatürliche, gotteslästerliche Kreaturen sind, ist seinerzeit Konsens, wie die Kämpferin Johanna (Johanna Wokalek, Foto, links) auf jeder ihrer kurz angerissenen, von der Schicksalsmaschine unerbittlich angetriebenen Lebensstationen erfährt. Zum Glück gibt es immer ein paar männliche Förderer, wie ihre spätere große Liebe Graf Gerold (David Wenham), die die bildungsbesessene, medizinisch talentierte Johanna fördern und decken. Ihre Karriere als Heiler, Priester und Papst macht sie nämlich getarnt als Mann. Doch dann schwächen sie als Weib die Liebe und der Uterus.

Ratten, Fliegen, Dreck und Schwären – das von Bernd Lepel eingerichtete Mittelalter sieht zünftig aus, auch wenn allüberall weiße Zähne blitzen. Im dekadenten Rom rauschen dafür die Seiden-Togen und Graf Gerolds Schuppenharnisch funkelt. Die eigentlichen Schauwerte liefern aber Johanna Wokaleks seelenvolle Augen. Sie ist ein echtes Pfund des weitgehend kitschfreien Films. John Goodman (re.) als Papst Sergius dagegen hat sich in seinen Pfunden viel zu statisch eingerichtet. Kleinmütige Bestsellerverfilmung. Gunda Bartels

„Die Päpstin“, D 2009, 145 Min., R: Sönke Wortmann, D: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Iain Glen

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar