Zeitung Heute : Hoch Ein auf die Liebe

Ntombi Mdakane kostet ihren Bräutigam 42 Bettlaken und ein paar Kühe. Auch junge Zulu halten sich an die Tradition

Vor Ntombi Mdakane, 24, liegt ein Schneidebrett mit einem Berg aus knusprigem Fleisch. Ihr Freund Marcus, 32, nimmt mit den Fingern ein Stück gegrillte Niere, bestreut es mit Salz und steckt es sich feierlich in den Mund: „Ein Mann hat das Essen zu prüfen, bevor die Frauen dran sind. Ob es auch nicht vergiftet ist. So ist die Tradition.“ Er kaut, nickt und spült mit einem Schluck Liqui-Fruit nach. Alles klar.

Es ist ein schwül-warmer Abend in Umlazi, der Township von Durban. Noch ist in dem Grillrestaurant „Max’s Lifestyle“ nicht viel los.

Die Meteorolgin und der Stadtführer, wollen bald heiraten. „Ich liebe sie, seit ich ihr vor zwei Jahren das erste Mal beim Einparken geholfen habe“, sagt der Bräutigam – und Ntombi Mdakane lacht. Schon damals habe sie sofort an die Lobola, den traditionellen Brautpreis, gedacht. Ob er sich den wohl leisten können würde? Im Januar machte sich Marcus, der schon Will Smith durch Durban geführt hat, auf die Reise nach Loskop am Fuße der Drakensberge, im Kofferraum 42 weiße Laken, eines für jedes der wichtigsten Mitglieder ihres Clans. Über die Anzahl der Kühe muss noch verhandelt werden.

Gefeiert wird im Sommer: traditionell, nach Zulu-Ritus, und anderntags katholisch, ganz in Weiß. Ntombi sitzt als junge, gut ausgebildete Frau zwischen allen Stühlen. Eigentlich ist die Lobola überflüssig, weil sie selber für sich und ihre Familie sorgen kann. Andererseits ist die Tradition wichtig für den Zusammenhalt der Familie. Nicht ohne Ironie erzählt Ntombi von der Sitte, dass eine Zulu-Hochzeit erst am Morgen nach der Feier abgeschlossen ist, wenn die Schwestern der Braut diese baden und „untersuchen“.

Ntombi Mdakane wuchs in einer Rundhütte mit der Mutter, drei Schwestern und einem Bruder auf und hat jetzt eine Wohnung in einem Hochhaus mitten in einer glitzernden Metropole am Indischen Ozean. Bald zieht sie um, nach Compensation Beach, einem Urlaubsort an der Küste. Dort schießen gerade neue Wohngebiete aus dem Boden. Ihr Leben, sagt sie, könnte schlechter laufen.

Nur das WETTER in Durban sei eindeutig zu langweilig: Immer sommerliche Temperaturen und 320 Tage im Jahr blauer Himmel – das ist keine echte Herausforderung für eine Meteorologin, dann ziehen sich ihre Morgenschichten ewig in die Länge. „Blitze, Donner und Sturm, also Wettercode 95 mit Multizellen-Clustern, so etwas wünsche ich mir an unserer Hochzeit.“ Sie schaut nach oben. Schon wieder blauer Himmel.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar