Zeitung Heute : Hoch im Westen

Hinterm Kranzler-Eck geht’s weiter: Der Savignyplatz wird immer beliebter

André Görke

Brad Pitt erschien mit Sonnenbrille und zugeknöpftem Mantel am Savignyplatz – und blätterte im „Bücherbogen“ in Architekturbänden. So war das im März, als der Schauspieler mit Angelina Jolie in Berlin vorbeischaute und mancher staunte, dass „The Sexiest Man alive“ (People Magazin) ausgerechnet im verstaubten Charlottenburg einkaufte.

Ja, so ist das am Savignyplatz, sagt Detlef Savary, 43. Sein Eisenwarenladen „C. Adolph“ steht seit 1898 am Savignyplatz / Ecke Kantstraße. Der einst knallrote Schriftzug aus den 50er Jahren wurde nie verändert. Christian Adolph ist längst verstorben, aber der Laden fand stets neue Besitzer. Erst war es Vater Savary, dann Sohn Detlef. „Seit 20 Jahren arbeite ich hier“, sagt er und geht hinaus an die frische Luft. Zeit für einen Spaziergang um den Savignyplatz, den kaum einer so gut kennt wie er.

Früher war der Platz Treffpunkt für Menschen aus „besseren Kreisen“, die „Paris Bar“liegt nicht ohne Grund nur wenige Meter entfernt. Nach der Wende breiteten sich Import-Export-Läden aus. „Aber dann hat sich der Kiez wieder gefangen“, erzählt Savary.

Im Jahr 2000 machte das „Hefner“ auf, eine Bar, in der man selten angetrunkene Touristen vom Ku’damm antrifft. Die Bars sehen so aus wie in Mitte, „nur dass die Leute nicht so hektisch sind“, meint Savary. Die Holzbänke auf dem Platz sind weiß gestrichen, die Büsche gestutzt, es duftet nach frischer Erde.

„C. Adolph“ ist eine Institution. So wie die Kneipen „Zwiebelfisch“ und „Tattersall“, die gern wegen ihres alten West-Berliner Charmes veralbert werden. Im „Schwarzen Café“ von 1977 sieht man junge Politiker morgens starken Kaffee trinken, abends tauchen Fußballer von Hertha BSC auf und später viele Nachtschwärmer.

Mario Adorf kaufte bei Savary, auch Otto Waalkes. Im Laden bekommt man einzelne Schrauben und muss nicht wie im Baumarkt eine Großpackung kaufen.

Wegen treuer Läden wie „C. Adolph“ funktioniert der Kiez wohl: Tagsüber kommen die Anwohner zum Einkaufen, abends findet man kaum einen Parkplatz, weil die Bars voll sind. Und dennoch: Der Savignyplatz bleibt unaufgeregt. Brad Pitt weiß das zu schätzen, er übernachtete in einem Hotel nur drei Fußminuten entfernt.

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