Zeitung Heute : Hochsaison für Taschendiebe

Die Polizei informiert in einem Info-Mobil zu besonderen Risiken

Vivien Leue

Wann freut man sich schon mal, in einen grünen VW-Bus der Polizei zitiert zu werden? Am Sonnabend zur Langen Nacht des Shoppings könnte es dazu kommen. Denn der Polizeiabschnitt 27 hat sich vorgenommen, möglichst viele Passanten zu einem Pläuschchen einzuladen. Doch keine Sorge: Die Beamten wollen nicht den Führerschein sehen, sondern sie haben selbst jede Menge zu zeigen. Das grüne Info-Mobil, mit dem die Beamten von zwölf bis 22 Uhr am Breitscheidplatz stehen wollen, wird bis zum Rand gefüllt sein mit Informationsmaterial.

„Unser Hauptanliegen soll die Information und Aufklärung zum Thema Taschendiebstahl sein“, sagt Patrick Spatzker, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeiabschnitt 27. Dafür seien speziell ausgebildete Beamte vor Ort, die sich tagtäglich mit dem Delikt Taschendiebstahl beschäftigen. „Diese Beamten kennen die Tricks und können Ratschläge geben, besonders zu Präventivmaßnahmen“, meint Spatzker.

Besonders zu Veranstaltungen wie der Langen Nacht des Shoppings, wenn die Gehwege überfüllt sind und es zu Gedrängel kommt, haben Taschendiebe Hochsaison. Der Service, Diebstahls-Anzeigen direkt beim Info-Mobil aufgeben zu können, wurde in den letzten Jahren daher rege genutzt.

Aber auch für die Kleinen hat das Info-Mobil dieses Jahr einiges zu bieten. Ein in voller Montur aufgebautes Polizeimotorrad wird dabei wohl den größten Ansturm zu verzeichnen haben. Denn das PS-starke Gefährt soll ausnahmsweise mal nicht nur als Anschauungsobjekt dienen. Die Kinder dürfen es sich an diesem Sonnabend auch gerne auf dem Sattel bequem machen. Und da werden sicher so einige Väter wehmütig daneben stehen.

Selbst für den Fall, dass das Kind später partout nicht vom Motorrad herunter kommen will und droht, sich für immer am Lenker festzukrallen, haben die Beamten vorgesorgt. Für zwölf Euro das Stück verkaufen sie knuddelige Polizeiteddys, die erfahrungsgemäß schnell von den Kindern ins Herz geschlossen werden. Und das ist auch wichtig, denn diese Kuscheltiere erfüllen einen guten Zweck: Mit dem Reinerlös der Verkaufssumme werden neue Teddys gekauft, die jeder Funkwagen mit sich führt. Diese verschenken die Beamten an verletzte oder traumatisierte Kinder, die in einen Unfall auf den Straßen Berlins verwickelt wurden.

Mit der kostenlosen Fahrradkodierung wollen die Beamten am Sonnabend einen weiteren Service anbieten, der vielen Berliner Radlern schon gut bekannt ist. „Beim Verkauf der Teddys und bei der Fahrradkodierung stehen die Leute immer Schlange, da verzeichnen wir stets regen Zulauf“, weiß Patrick Spatzker aus Erfahrung.

Es gebe aber auch viele Berliner, die bei einem solchen Anlass einfach nur das Gespräch suchen. Seien es Fragen zur Wohnungssicherung, zu Drogen, Jugendkriminalität, häuslicher Gewalt oder auch zur Ausbildung bei der Polizei – die Beamten am Info-Mobil helfen gerne weiter.

Und auch auf Fragen über die Sicherheit in Berlin wird sich das neunköpfige Info-Team besonders vorbereiten. Denn anlässlich des Irak-Krieges laufen die Telefone in den Polizeidienststellen derzeit heiß. Wo könnte es in Berlin gefährlich werden, was soll man selbst tun und vor allem, was weiß die Polizei? Fragen, auf die die Beamten gerne Antworten geben.

Freiwillig im Dienst

Der Einsatz des Info-Mobils auf Großveranstaltungen in Berlin ist zwar nicht neu, doch zur Langen Nacht des Shoppings waren Berlins Freunde und Helfer bisher immer nur als Streifenpolizisten im Einsatz. Als vor einigen Wochen bei Patrick Spatzker die Anfrage kam, ob sich die Polizei nicht auch mit einem eigenen Stand an der Langen Nacht des Shoppings beteiligen wolle, war der Polizeibeamte von dem Vorschlag sofort überzeugt. Blitzschnell trommelte er eine Mannschaft von neun Beamten zusammen, reservierte das Info-Mobil und ist seitdem mit der Planung dieses außergewöhnlichen Polizeieinsatzes beschäftigt.

Aber von Stress ist bei Patrick Spatzker und seinen Kollegen, die am Sonnabend alle freiwillig ihren Dienst auf dem Breitscheidplatz schieben, nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Ich mache das mit Leib und Seele“, gesteht Spatzker, „und ich freue mich, dass ich dann auch noch mehr Kontakt zu den Leuten kriege.“

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