Höchstes Gebäude Westeuropas : "The Shard" wächst in den Londoner Himmel

16.07.2011 21:21 UhrVon Deike Diening
Hoch und höher. „The Shard“, noch nicht ganz fertig, dominiert schon jetzt die Londoner Skyline. Die Etagen im 310 Meter hohen Gebäude werden nach oben hin immer kleiner. Foto: Luke MacGregor / Reuters Foto: REUTERS
Hoch und höher. „The Shard“, noch nicht ganz fertig, dominiert schon jetzt die Londoner Skyline. Die Etagen im 310 Meter hohen Gebäude werden nach oben hin immer kleiner. Foto:... - Foto: REUTERS

Für einige ist es das letzte Haus in einer Bauweise, die man vor der Finanzkrise für die Zukunft hielt. Für andere aber ist es das erste seiner Art. In London wächst „The Shard“, der höchste Wolkenkratzer Westeuropas.

Irvine Sellar, „sell“ im Namen, muss zum Verkaufen geboren sein, denn ausgebildet wurde er dazu nie. Das diffuse Acht-Uhr-Licht eines Londoner Morgens erhellt sein Gesicht mit den vielen Sommersprossen, aus deren Mitte ein prüfender Blick. Er hat den Frühstücksraum des Marriott als Treffpunkt vorgeschlagen, Marble Arch, Ecke Hyde Park. Millionäre mögen Effizienz. Weil er um die Ecke wohnt, muss er nicht einmal seinen Rolls Royce anwerfen. Er trägt bemerkenswerte graue Locken, die so sorgfältig gelegt sind wie die Marmorlocken auf den Köpfen römischer Statuen. Eine Frisur für die Ewigkeit.

Alles steht und fällt mit Sellar, sagen die Leute.

Ohne den Immobilien-Entwickler, Ideengeber, Investor und Kämpfer, seine Zähigkeit, Entschluss- und Finanzkraft würde dieses Gebäude nie Wirklichkeit. Denn eigentlich kann man so ein Gebäude mit seinem wagemutigen Anspruch gar nicht mehr bauen.

„Let’s have some eggs.“ Sellar ist nach ein paar Eiern mit Lachs zumute.

„The Shard“, die „Scherbe“, wird bei der Fertigstellung im Mai 2012 mit 310 Metern der höchste Wolkenkratzer Westeuropas sein. Er wird vermutlich für immer das höchste Haus in London oder auch England bleiben und die Skyline der Hauptstadt dominieren. Renzo Piano hat es entworfen, 12 500 Leute werden darin arbeiten, gut zehn darin wohnen. Wie er einmal aussehen wird, ist bereits zu erahnen. Zur Zeit ist die Verglasung bis zum 52. Stock fortgeschritten.

Ist dieses Haus nun ein gigantomanischer Superlativ, eine Geste aus den 90ern, die man im Europa 2011 nicht mehr will? War man nicht froh, dass die Finanzkrise viele solcher angeberischer Projekte gestoppt hat? Ist es nötig, dass eine aufstrebende Wirtschaft eine bauliche Entsprechung findet? Für einige ist es das letzte Haus in einer Bauweise, die man vor der Finanzkrise für die Zukunft hielt. Für andere aber ist es das erste Haus seiner Art. In einer Bauweise nämlich, die die Antwort auf viele städtische Probleme sein kann.

Lesen Sie mehr im zweiten Teil.

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