Zeitung Heute : Höflich schwitzen

Saunieren tut gut. Doch wie verhält man sich dabei – und wie nicht? Zehn Benimmregeln

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Als Student hat Knut Müller vor allem eines gelernt: Nackte Menschen sind nicht höflicher als angezogene. Müller hat jahrelang in einer Sauna gejobbt und kennt auch das alte finnische Sprichwort: In der Sauna soll man sich benehmen wie in der Kirche. „Ich habe selten so viele Tratschtanten gesehen“, sagt Müller, „die verwechseln die Sauna tatsächlich mit einer Kneipe.“ Die zehn goldenen Benimmregeln für Schwitzhütten beherzige kaum jemand. Von der ersten – allerdings wichtigsten – mal abgesehen.

1. Erst duschen, dann schwitzen. Und die Badeschuhe bleiben vor der Saunakabine stehen. Rasierwasserduft und den Geruch nach Knoblauch und Alkohol sollte man ebenfalls vermeiden.

2. Höflich grüßen. Ein dezentes „Hallo“ beim Eintreten in die Kabine drückt den Respekt gegenüber den Mitschwitzenden aus, sollte diese jedoch nicht aufschrecken.

3. „Ist hier noch frei?“ Auch diese Frage gehört in die Sauna, damit ein neuer Gast einem bereits auf dem Holz sitzenden oder liegenden nicht zu nahe tritt. Höflich ist es auch, zum Handtuch des Banknachbarn ein wenig Abstand zu halten. Und sich nicht allzu breitbeinig hinzusetzen oder zu legen.

4. Gedämpfte Gespräche. Leises Unterhalten ist in Ordnung – allerdings sollte man immer Rücksicht auf die anderen Besucher nehmen. Im Ruheraum gilt hingegen: einfach still sein. Schnauze, wie der Berliner sagt.

5. Hände weg von der Kelle. Aufgüsse sind in öffentlichen Saunen Sache des Saunameisters. Selbsthilfe gilt als unhöflich. Also: Die Kelle einfach liegen lassen.

6. Nicht starren. Eine Sauna ist keine Peepshow. Besucher und Besucherinnen wollen sich entspannen. Deshalb lieber die Uhr oder den Saunameister fixieren, als einzelne Körperteile der anderen Gäste fokussieren.

7. Haut aufs Handtuch. Damit der Besuch hygienisch bleibt, lieber ein großes Handtuch oder sogar mehrere mitbringen. Der ganze Körper sollte auf dem Frottee Platz finden, so dass kein Schweiß auf das Holz tropft.

8. Tür schnell schließen. Durch jeden Gast, der in die Kabine eintritt, entweicht etwas Hitze. Deshalb: schnell hinein- und hinausschlüpfen. Und immer ein paar Minuten vor dem angekündigten Aufguss in die Schwitzhütten gehen.

9. Nach dem Gang duschen. Auch wenn die Abkühlung im Tauchbecken gut tun: Bevor man ins eisige Wasser gleitet, sollte man sich der Hygiene zuliebe unbedingt den Schweiß von der Haut duschen.

10. Sauna international. Die Regeln sind unterschiedlich: In Deutschland, Skandinavien, den Beneluxstaaten und im Baltikum geht man hüllenlos in die Sauna. Anders in Frankreich, Großbritannien und Südeuropa. Dort wird der Schambereich bedeckt. In Südkorea und Russland schwitzen die Geschlechter getrennt voneinander, auch in Frankreich, Italien und Spanien sind gemischte Saunen selten. Während Alkohol in deutschen Saunakabinen verboten ist, wird das in Skandinavien, Finnland und Russland etwas lockerer gesehen. Rita Nikolow

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