Zeitung Heute : Höhere Mathematik aus Herrnhut

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Es sind mehr als fünfzig. Dreidimensionale, leuchtende Zackengebilde schweben auf den Spitzen weißer Zelte, verleihen dem „Winterzauber“ am Gendarmenmarkt sein weihnachtliches Gesicht. Herrnhuter Adventssterne, ein mehr als 100 Jahre alter Schmuck. Sie stammen aus der 1722 gegründeten Herrnhuter Brüdergemeinde in der Oberlausitz, einer ökumenischen Gemeinschaft der vorreformatorischen „Böhmischen Brüder“. Vertriebene, die von Nikolaus Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf ein neues Zuhause „unter des Herrn Hut“ erhielten. Die Gemeinde kam durch den Handel mit Leinen- und Kattunwaren, Siegellack, Kaffee, Tabak und Zucker zu Wohlstand. Der erste Herrnhuter Stern soll in der Unitäts-Knabenanstalt der Brüdergemeinde in Niesky entstanden sein, ein großers Exemplar mit 110 Strahlen, gefertigt zum 50. Jubiläum. Erfunden hat die Form ein mathematisch versierter Erzieher, der seine Schüler mit dem Basteln von Vierkantkörpern beschäftigte. Auf die Flächen ließ er Pyramiden setzen – so entstand die Sternform. Anfangs illuminierte man die Gebilde mit Rüböllämpchen, später mit Petroleum. Ende des 19. Jahrhunderts brachte der Kaufmann Pieter Hendrik Verbeek die Sterne in den Handel – als robuste Version mit einem Körper aus Blech und Schienen, auf die sich die Papierzacken aufschieben ließen. Seit 1968 werden Herrnhuter Sterne am Ort industriell gefertigt. Rund zwei Millionen sind weltweit verkauft. Es gibt sie auch auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt zu kaufen: für 28 (40 cm) bis 65 Euro (70 cm) in diversen Farben. lei

Winterzauber am Gendarmenmarkt, tgl. 11-23 Uhr, Heiligabend 11-16, feiertags 11-22, Silvester 17 -1 Uhr.

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