HOFFEN AUF HILFE AUS DEUTSCHLAND : Es fehlt an medizinischem Personal und Material

Nach achtmonatigen Kämpfen ist Libyen bei der Versorgung zehntausender Kriegsopfer auf internationale Hilfe angewiesen – auch aus Deutschland. Das betonte am Freitag der Geschäftsträger der libyschen Botschaft in Berlin, Aly Masednah Idris El-Kothany,

bei einem Besuch von Kriegsverletzten in einem Hamburger

Krankenhaus
. Die Kliniken in Libyen seien mit der Situation überfordert.

Etwa 25 000 Menschen seien getötet, weitere 75 000 verletzt worden. Wegen der bisherigen Sanktionen fehle es an medizinischem Material, aber auch an Personal. Libyen sei ein reiches Land, aber weil die ausländischen Konten gesperrt gewesen seien, hätten nicht ausreichend Medikamente und medizinische Geräte gekauft werden können. Auf die Frage, ob Deutschland mehr tun könne, sagte der Diplomat: „Immer. Da gibt es so viele Aufgaben, jetzt bei der Patientenversorgung und dann beim Wiederaufbau.“ Auch Ärzte aus Deutschland wären willkommen.

Im Asklepios-Westklinikum in Hamburg-Rissen werden seit dem vergangenen Wochenende fünf schwer verletzte Libyer behandelt. Am Dienstag hatte die Luftwaffe weitere 39 Kriegsopfer nach Deutschland gebracht. „Wir sind dankbar dafür, dass in Deutschland so viele Patienten behandelt werden können.“

Alle fünf auf der Station liegenden Libyer hätten die Nachricht von Gaddafis Tod mit einer Mischung aus Erleichterung und Genugtuung aufgenommen, erklärte Chefarzt Wolfgang Tigges. Sie seien allerdings so schwer verletzt, dass sie voraussichtlich noch mehrere Monate in Deutschland behandelt werden müssten. Die Hamburger Klinik sei gut für die Behandlung von Kriegsverletzten geeignet. Eventuell könnte sie noch weitere Patienten aus Libyen aufnehmen. Für Samstag wurde ein weiteres Kriegsopfer erwartet.

Masednah, selbst Arzt von Beruf, mahnte, auch an die Verletzten zu denken, die für Gaddafi gekämpft haben. „Das ist ein Verlust für das Land, diese jungen Leute.“ Mit dem Tod des Diktators habe nach 42 Jahren ein Schrecken sein Ende gefunden. Die militärische Unterstützung der Nato

und einiger arabischer Länder habe beim Sturz des Machthabers geholfen.

Das Ansehen Deutschlands sei trotz der Nichtbeteiligung am Militäreinsatz hoch. „Deutschland hat Gaddafi nie erlaubt, seine Zelte aufzubauen“, sagte Masednah unter Anspielung auf pompöse Besuche des Diktators in

anderen Hauptstädten. Auch

die Versorgung der Kriegsverletzten werde in Libyen sehr geschätzt. dpa

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