Zeitung Heute : Hoffnung im Vertrauen
14.09.2006 00:00 UhrAuf den Kommentarseiten der Tage seit dem 11. September fanden sich hier und da auch Hinweise auf einen anderen Jahrestag. Sein Ursprung liegt 60 Jahre zurück, als Deutschland zerstört und seine Zukunft bestenfalls unklar war, als die Franzosen das Ruhrgebiet abtrennen und andere Deutschland als ländliche Idylle sehen wollten. Aber ein Jahr nach der Stunde Null setzte sich US-Außenminister James Byrnes in den Zug von Berlin nach Stuttgart. Dort hielt er eine Rede, die einen entscheidenden Punkt in den transatlantischen Beziehungen der Nachkriegszeit markieren sollte: die „Rede der Hoffnung“.
Byrnes hatte eine einfache, überraschende Botschaft: Die USA würden den Wiederaufbau Deutschlands im großen Stil unterstützen.
In dieser Verpflichtung spiegelte sich die amerikanische Überzeugung wider, dass die Menschenwürde und das Streben nach Wohlstand unveräußerlich seien – und dass die Deutschen eine Chance haben müssten, das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft wiederzuerlangen. Es war eine Verpflichtung im Geiste Emersons, der einmal schrieb: „Vertraut den Menschen, und sie werden sich wahrhaftig verhalten; behandelt sie mit Größe, und sie selbst werden Größe zeigen.“
Manche Kritiker behaupten, dass es in Deutschland an Dankbarkeit für die Unterstützung mangelt, die Amerika beim Wiederaufbau des Landes geleistet hat. Ich glaube aber, dass diese Dankbarkeit allgegenwärtig und ein zentraler Bestandteil der deutschen Nachkriegsidentität ist. Dennoch haben einige Deutsche in den letzten Jahren vergessen, dass Amerika ein Land mit einem tief verinnerlichten demokratischen und freiheitlichen Selbstbewusstsein ist, das ein gesundes Maß an Vertrauen verdient.
Heute sieht sich der Westen mit mehr Katastrophen als je zuvor konfrontiert und keine Nation oder Organisation ist in der Lage, ihnen allein zu begegnen. Unser Vertrauen in die seit 60 Jahren vertieften Beziehungen wird auf die Probe gestellt, auch vieles, was damals nicht vorstellbar war. (Gibt es ein deutlicheres Symbol dafür, als die Bereitschaft Israels, deutsche Soldaten mit seinem Schutz zu betrauen?)
Wir können Vertrauen aufbauen, indem wir die Seelen unserer jeweiligen Nationen erkunden. Deutsche und Amerikaner müssen den derzeitigen Trend zur Selbstbezogenheit in Frage stellen. In ihrem neunten Jahr kann die Academy zeigen, dass es kein besseres Gegenmittel gibt als eine Kulturdiplomatie, die die Besten des einen Landes in das andere Land bringt. Das daraus erwachsende Verständnis – und Vertrauen – wird die Basis künftiger transatlantischer Bindungen sein. So können wir, im Sinne Emersons, wieder unsere Größe zeigen.
Der Autor ist geschäftsführender Direktor der American Academy in Berlin








