Zeitung Heute : Hüterinnen des Reise-Necessaires Neues Geschäftsfeld entdeckt

Matilda Jordanova-Duda

Im Handgepäck der Flugreisenden findet sich allerhand: Nagelfeilen, Scheren, Taschenmesser, Werkzeug, hin und wieder sogar eine Axt. Nach dem 11. September werden die spitzen und scharfen Gegenstände jedoch bei den Sicherheitskontrollen abgenommen und entsorgt. Es sei denn, die Passagiere fliegen von München ab und bedienen sich der Firma Fly without cry ( 0871 / 786 61). Gegen Entgelt sammelt der kleine Dienstleister die Sachen und sorgt dafür, dass das vergoldete Reisenecessaire aus Omas Mitgift oder das Schweizer Messer, Patenonkels Geschenk zum 10. Geburtstag, zurück zum Besitzer finden.

Die Gründerinnen Melanie Lang und Diana Stahl studieren Volkswirtschaft an der Uni Regensburg. Eigentlich wollten sie im Herbst 2001 lediglich an einem Uni-Wettbewerb teilnehmen: Studierende gründen Unternehmen mit nur 5 Euro Startkapital und erproben sechs Wochen lang ihre wirtschaftlichen Kenntnisse in der Praxis. Die meisten Unternehmen bringen es in dieser Frist auf ein paar Cent Gewinn. Die zwei Studentinnen erwirtschafteten 3000 Euro – und blieben dabei. Schon im ersten Monat nahmen rund 1300 Leute den Service in Anspruch. Heute seien es 200 bis 300 Passagiere pro Woche, die vergessen haben, Spitzes und Scharfes aus dem Handgepäck zu nehmen. Anfangs spannten die Gründerinnen ihre Mütter, Großmütter und Geschwister ein, um Briefumschläge zu beschriften und zu bekleben. Jetzt hilft eine Teilzeitangestellte. Das VWL-Studium wollen die Unternehmerinnen nicht aufgeben, erübrigt hat sich aber ihr Nebenjob.

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