Zeitung Heute : Hyundai: Mit einer Linie von Pininfarina

Ingo von Dahlern

Er wächst mit großem Tempo - der Markt für kompakte Minivans in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr legte er um 30 Prozent zu - auf insgesamt 150 000 Fahrzeuge. Und er nimmt weiter zu. Hier darf man als Großserienhersteller nicht abseits stehen. Das gilt auch für die Importmarken. Und so ist es nur folgerichtig, dass nun auch Koreas Nummer eins Hyundai auf diesem Sektor aktiv wird. Zusammen mit dem von uns bereits vorgestellten überarbeiteten Sonata hat an diesem Wochenende bei den Hyundai-Händlern der erste kompakte Minivan aus Korea Premiere - der Matrix.

Ein Auto, das viele europäische Elemente in sich trägt. Denn seine Linie stammt von den italienischen Designern von Pininfarina. Und an der Entwicklung seiner Technik und insbesondere der Auslegung und Abstimmung des Fahrwerks hat das deutsche Forschungs- und Entwicklungszentrum von Hyundai in Eschborn maßgeblichen Anteil. Denn dieses Auto soll schließlich mit den auf seinem Sektor bereits etablierten Europäern konkurrieren und vor allem auch auf den europäischen Märkten überzeugen. Und hierfür bringt der Matrix, wie erste Probekilometer eindrucksvoll bestätigten, durchaus gute Voraussetzungen mit.

Das gilt nicht zuletzt auch für die Optik dieses Fünftürers mit seinen großen Scheinwerfern, dem markanten Kühlergrill und den großen Lufteinlässen im kraftvollen Frontstoßfänger sowie den schmalen Rückleuchten, die viel Platz für eine besonders breite Heckklappe bieten. Besonderes Designmerkmal des Matrix mit seiner schörkellosen klaren Linie sind seine weit heruntergezogenen Scheiben in den vier Türen. Das bringt nicht nur viel Licht in den Innenraum, sondern schafft auch beste Voraussetzungen für eine besonders gute Rundumsicht.

Mit gerade einmal 4,03 Meter Länge ist er ausgesprochen kompakt. Doch ein Radstand von 2,60 Meter - er ist identisch mit dem Radstand des Elantra, auf dessen Plattform der Matrix auch aufbaut - und eine Höhe von 1,63 Meter schaffen beste Voraussetzungen für einen ausgesprochen großzügigen Innenraum. Dabei können es sich im Matrix nicht nur die vorn sitzenden Passagiere bequem machen. Denn auch im Fond gibt es großzügigen Platz - und variablen dazu. Denn die geteilte Rückbank ist - jedes Element für sich - in der Länge um gut 19 Zentimeter verschiebbar. Und da sich die Rückbanklehnen auch noch neigen lassen, findet man auch hier problemlos eine besonders bequeme Sitzposition. Trotzdem bleibt ausreichend Platz für das Gepäck. Denn der Matrix bietet einen 354 Liter fassenden Gepäckraum, der sich auf Wunsch mit wenigen Handgriffen auf bis zu 1284 Liter erweitern lässt.

Bequem und sicher ist auch die Postion auf dem höhen- und neigungsverstellbaren und guten Seitenhalt gebenden Fahrersitz hinterm verstellbaren Lenkrad des Matrix. Dessen Armaturenbrett überrascht mit zentral angeordneten Instrumenten. Denn der silbergrau unterlegte Tacho, der Drehzahlmesser, die Tankanzeige, die Anzeige für die Kühlwassertemperatur und das Info-Display für den Bordcomputer sind in der Mitte des Armaturenbretts platziert - genau über den mittleren Heizungs- und Belüftungsdüsen, dem Radio und den Bedienelementen für Heizung und Lüftung. Da die wichtigsten Instrumente nicht weit unter dem unteren Scheibenrand liegen, kann man sie bestens im Blick behalten, ohne dass man die Straße aus dem Auge lassen muss. Und dort, wo bei den meisten Autos der Tacho zu finden ist, präsentiert der Matrix die wichtigsten Warnlampen.

Gefallen hat beim ersten Kennenlernen auch, dass sich der Innenraum des Matrix durch ansprechende Oberflächen der hier eingesetzten Werkstoffe, eine gefällige Farbgebung und eine rundum gute Verarbeitung auszeichnet. Der Trend zu hoher Qualität im Interieur, der längst auch bei den kompakten Fahrzeugklassen Einzug gehalten hat, ist auch bei diesem neuen Minivan aus Fernost unverkennbar. Und ebenfalls von hoher Qualität ist auch die gesamte Karosseriestruktur dieses Frontrieblers. Das spürt man schließlich auch an dem hohen Fahrkomfort und den exakten Reaktionen des Fahrzeugs auf jedes Lenkmanöver. Gerade bei diesem Auto bestätigt sich ganz deutlich, dass man im lerzten Jahrzehnt bei Hyundai viel gelernt hat, wenn es gilt, Autos mit Fahreigenschaften auf die Räder zu stellen, die den besonders hohen europäischen und vor allem deutschen Ansprüchen genügen. Denn mit dem Matrix fühlt man sich auch bei flotter Kurvenfahrt ausgesprochen sicher und muss sich bei langen Autobahnetappen nicht über mangelnden Komfort beklagen. Technisches Rückgrat für diese positiven Eigenschaften ist ein Fahrwerk mit Federbein-Vorderachse und der vom Elenatra übernommenen Hinterachskonstruktion mit Doppellenkern und Federbeinen. Gebremst wird mit Scheiben vorn und Trommeln hinten und unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung.

Drei Motoren stehen im Matrix zur Wahl - zwei Benziner und ein direkt einspritzender Turbodiesel mit Common Rail. Der hat einen Hubraum von 1,5 Liter, leistet 60 kW (82 PS) und liefert bei 2000/min sein höchstes Drehmoment von 187 Nm. Der Dreizylinder-Vierventiler bewältigt den Spurt auf Tempo 100 binnen 17,9 Sekunden, gehört also nicht unbedingt zu den flottesten Vertretern seiner Klasse, gefällt aber durch seine große Elastizität und sein unaufdringliches Geräusch. Bis zu 160 km/h sind mit dem Selbstzünder möglich, dessen Verbrauchswerte mit durchschnittlich 6,0 l/100 km erfreulich bescheiden sind.

Spritziger, mit durchschnittlich 8,8 und 9,1 l/100 km aber auch durstiger sind die beiden Benziner. Beide sind Vierventil-Vierzylinder mit 1,6 und 1,8 Liter Hubraum und Leistungen von 76 und 90 kW (103 und 122 PS). Sie lassen den Matrix binnen 12,7 und 11,3 Sekunden Tempo 100 und maximal 170 und 184 km/h erreichen und machen den leer rund 1,3 Tonnen schweren Kompaktvan ansprechend flott. Kombiniert sind alle drei Motoren mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe. Die beiden Benziner - sie erfüllen die Abgasnorm EU4 - gibt es auf Wunsch aber auch mit einer adaptiven Viergang-Automatik.

Überzeugen kann der Matrix schließlich mit seiner Komfort- und Sicherheitsausstattung. So gibt es nicht nur Airbags für Fahrer und Beifahrer und Seitenairbags vorn, sondern auf allen Außensitzen auch Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer für die Sicherheitsgurte. Zur Komfortausstattung gehören neben der neigungsverstellbaren Lenksäule und der Servolenkung bereits beim 1.6 GLS elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, ein Ablagefach unterm Beifahrersitz, eine Zentralverriegelung, Mittelarmlehnen vorn und hinten, zwei 12-Volt-Steckdosen und vieles mehr. Der 1.8 GLS hat zudem das Klimapaket mit Klimaanlage, Bordcomputer und Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung als Serienausstattung. Und wer will, kann diese Variante mit einem Comfort-Paket mit Teil-Ledersitzen, Lederlenkrad und Sitzheizung für die Vordersitze aufwerten.

Die Preise für den Matrix beginen bei 17 790 Euro (28 927 DM) für den 1.6 GLS mit Schaltgetriebe. 16 790 Euro (32 838 DM) kostet der Matrix 1.8 GLS einschließlich Klimapekt, das es beim 1.6 GLS für 1220 Euro (2386 DM) gibt. Der Diesel 1.5 CRDi GLS kostet 15 990 Euro (31 273 DM) - er erfüllt übrigens die Abgasnorm EU3. Insgesamt als ein ansprechendes und auch preislich attraktives Angebot, das neben seinen europäischen Konkurrenten eine überzeugende Figur macht.

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