Zeitung Heute : "Ich will keine Karotten, ich will Möhren"

Kerstin Kohlenberg

Sagenhafte Spieler-Sprüche können jetzt im Internet bestaunt werdenKerstin Kohlenberg

Fußballfans haben es nicht immer ganz einfach. Da reisen sie ihren Idolen bis in den hintersten Winkel und ins letzte Fußballstadion nach, stehen sich bei schlechtem Wetter die Beine in den Bauch, singen nach jedem Tor andächtig die Hymne auf die Mannschaft und meiden keine Konfrontation mit Andersgläubigen. Missionsarbeit an allen Fronten. Und der Lohn? Die Fans verstehen ihre Fußballidole nicht mehr.

"Ich will keine Karotten, ich will Möhren" brummelte Rüdiger Abramcziks kleiner Bruder Volker und Lothar Emmerich fordert: "Gib mich die Kirche". Da bleibt dem Fan die Spucke weg. Was um Gottes willen meinen die? Oder ist das so eine Art Fußballdeutsch? Fachsprache für Auserwählte? Und die Fans sollen nicht dazu gehören?

Was sagt denn Franz Beckenbauer dazu? Auf den war doch immer Verlass. Auf den Firlefranz. Günter Jauch, einem bekennenden Fan, erzählte Beckenbauer: "Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage." Was ist denn los mit euch Fußballern? "Ich habe in einem Jahr 16 Monate durchgespielt", schob Beckenbauer zu einer anderen Gelegenheit nach. Aha. Übermüdet und unkonzentriert. Kann man ja auch irgendwie verstehen, bei solch einem harten Leben. Der ehemalige Hertha-Spieler Erwin Kostedde macht dem Fan aber dann wieder richtig Angst: "Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen." An Giovanni Trapattonis "Ich habe fertig" muß man in diesem Zusammenhang ja nicht mehr erinnern.

Damit der Fußballfan in der nächsten Spielzeit ein bisschen mehr Sicherheit auf dem fußballdeutschen Boden gewinnt, ist Claus Vaske in Aktion getreten. Der 34-jährige Drehbuchautor und Gagschreiber für Harald Schmidt hat ein "ultimatives" Archiv der Fußballerzitate im Internet angelegt. Trapattonis Worte kann man sich dort sogar als Audio-Datei runterladen und anhören.

Mit Hilfe von Vaskes Zitatensammlung werden auch endlich mal die folgenden zwei Dinge klar: Erstens, dass nicht nur die Fußballmänner leiden, sondern auch die Fußballfrauen und zweitens, dass dies die Schuld von Berti Vogts ist. Der schlug nämlich vor: "Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben." Die gemeine Fußballfrau reagierte sofort. Eva Herberger berichtete über ihre Hochzeitsnacht: "Die Hochzeitsnacht verbrachten wir im Zug nach Zürich zu einem Fußballspiel." Thomas Doll war auch lange Zeit auf Berti-Vogts-Linie. "Ich brauche keinen Butler. Ich habe eine junge Frau!" Mittlerweile ist die mit Olaf Bodden verheiratet.

Aber trotzdem gibt es Lichtblicke. Gyula Lorant ist so einer. Mit Äußerung wie "Der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel," wickelt er seine Fans um den kleinen Finger. Zum Dank durfte er auf der Bühne sterben. Er fiel mit einem Herzinfarkt von der Trainerbank. Solch einen Heldentod strebt offensichtlich auch Lothar Matthäus an. Mit seinem einleuchtenden Mode-Tipp "Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen" macht er bei seinen Fans Boden gut. Nur mit der sportlichen Völkerverständigung haben es die Fußballer noch nicht so. Diego Maradona stellte nach einem Spiel gegen Schweden erschrocken fest: "Die haben viereckige Füße. Das sind Robocops." Und Otto Pfister, ehemaliger "Fußballentwicklunghelfer" des DFB und als solcher einmal Nationaltrainer in Ghana, empfahl etwas ratlos zur Altersbestimmung von Ghanaern im Allgemeinen und Anthony Yeboah im Besonderen: "Da hilft nur: Bein aufsägen und Jahresringe zählen."Alles nachzulesen unter

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