Zeitung Heute : Ick liebe dick

Was die Quarterbacks von Berlin Thunder über Deutschland wissen

André Görke

Berlin. Plötzlich war da nur noch dieses Lachen. Ob Phil Stambaugh denn Deutsch sprechen könne? „Naja, ein wenig“, sagte Stambaugh. Kostprobe gefällig? „Ick liebe dick.“ Und: „Kann ich dir einen Drink spendieren?“ Als sich sein Kollege Henry Burris die Worte übersetzen ließ, schrie er laut auf: „Oh, yes! Phil, you’re my hero!“

Vor drei Wochen war das, in Florida, im Trainingslager des Footballteams von Berlin Thunder. Ob die beiden amerikanischen Quarterbacks ihren, sagen wir, konventionellen Flirt-Spruch mittlerweile in den Berliner Bars mit Erfolg angewandt haben, darf angezweifelt werden. Vom Nachtleben der Stadt haben die Spieler wenig gesehen. Vor eineinhalb Wochen wurden sie im Mannschaftshotel „Courtyard Marriott“ am Stadtrand in Teltow einquartiert. Seitdem bereiten sie sich auf ihr erstes Spiel der NFL-Europe-Saison vor. Am Sonntag ist es so weit: Dann tritt das Team von Berlin Thunder bei den Scottish Claymores in Glasgow an.

Drei Quarterbacks stehen in Berlin unter Vertrag: Neben Stambaugh und Burris gehört auch Zak Kustok zu ihnen. Sie sind die Spielmacher des Teams.

Dass Phil Stambaugh ein bisschen Deutsch spricht, liegt daran, dass er vor zwei Jahren beim Düsseldorfer Footballteam Rheinfire unter Vertrag stand. Für die beiden anderen ist Deutschland eine „neue, spannende Erfahrung“, sagt Burris. „In den Vereinigten Staaten habe ich viel von der deutschen Kultur, der Geschichte und der Architektur gehört.“ Und natürlich würden sie die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennen, „die hat uns Axel in Florida auf Fotos gezeigt“. Mit Axel meint er den ehemaligen Fußballprofi von Hertha BSC, Axel Kruse. Der 35-Jährige ist der Kicker der Berlin Thunder. Den Reichstag und die Siegessäule habe er ihnen gezeigt, erzählt Burris, „and the Brandenburger Bridge“.

Die Brandenburger Brücke also. Dass dieser Name nicht ganz korrekt ist, hat Burris in der vergangenen Woche erfahren. Da sind sie in einen Bus gestiegen und gemeinsam durch Berlin gefahren. Stadtrundfahrt. Um Tipps im Nachtleben wird sich jetzt Axel Kruse kümmern, „der kennt sich gut auf diesem Gebiet aus“, sagt Thunder-Manager Michael Lang. So prüft Kruse etwa, ob es in den Bars häufiger mal Stress gibt. In der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass es in einer Diskothek zu einer Schlägerei kam, nachdem sich Gäste und Footballspieler gestritten hatten.

Der Klub hat den Tagesablauf seiner Angestellten bis ins Detail festgelegt. Zehn Wochen dauert die Saison der NFL-Europe, in dieser Zeit sollen sie die optimale Leistung bringen. Fünfmal pro Woche wird trainiert, zwei Stunden auf den neuen Trainingsplätzen hinter dem Olympiastadion. Um 23 Uhr ist Bettruhe. In den ersten Tagen gibt es Huhn und Steak, ab Donnerstag dann kein scharf gewürztes Essen mehr. „Die Jungs würden im Spiel sonst übermäßig schwitzen“, sagt Manager Lang. Ernährung ist ein heikles Thema: Ein Mann wie Aaron Crittendon bringt 159 Kilo auf die Waage, ist aber erstaunlich beweglich. Als Tackle kann ihm dieses Gewicht nicht schaden, es schützt den Quarterback vor Angriffen der Gegner.

Der Quarterback ist wesentlich leichter. Burris etwa, 1,83 Meter groß, wiegt 90 Kilogramm, sein Kollege Stambaugh kommt auf 102 Kilogramm bei 1,87 Metern. Ihre Position sei „optimal, um aufzufallen“, sagt Burris. Mit dem Job in Berlin wollen sie sich für einen Vertrag in der NFL empfehlen. Für ihren dreimonatigen Vertrag in Berlin erhalten Quarterbacks etwa 20000 US-Dollar.

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