Zeitung Heute : Ideen für ein neues Mercedes-Gesicht

Ingo von Dahlern

Sie hat wieder runde Augen im Doppelpack - die neue Generation der E-Klasse von Mercedes-Benz, die in der nächsten Woche beim 100. Geburtstag des Brüsseler Automobilsalons ihren ersten öffentlichen Auftritt hat. Doch aller Voraussicht nach wird dies die letzte E-Klasse mit einem solchen Gesicht sein. Denn längst arbeitet man in Stuttgart an einer neuen Optik nicht nur für die gehobene Mittelklasse. Und in welcher Richtung man dabei denkt, zeigt die Studie Vision GST, die derzeit in Detroit einer der Publikumsmagneten ist. Denn deren Front lässt getreu dem Grundbekenntnis für jedes Mercedes-Design, dass ein Mercedes immer wie ein Mercedes aussehen muss, keinen Zweifel, aus welchem Stall dieses Auto stammt. Sie zeigt aber auch, dass es in absehbarer Zukunft ganz neue Interpretationen eines typischen Mercedes-Gesichts geben kann. Das orientiert sich beim kraftvoll und leistungsbetont auftretenden Vision GST mit seiner Lamellenkühlermaske und dem großen zentralen Mercedes-Stern an den sportlichen Modellen aus Stuttgart. Und sicher steckt, wie bei allen in den letzten Jahren als Vision vorgestellten Studien, auch in diesem Modell bereits ein Stückchen künftiger Realität.

Kombination aus vier Konzepten

Aber es ist nicht allein die Optik der mit ihrer dezenten Pfeilkontur und dem Spoiler mit den großen Luft-einlässen breit und kraftvoll erscheinenden Fahrzeugfront, die beim Vision GST Beachtung verdient. Noch viel interessanter ist nämlich das ganz neue Konzept, das mit diesem Auto - Mercedes bezeichnet es als Grand Sports Tourer - verwirklicht wird. Denn der Vision GST steht für eine Kombination aus so unterschiedlichen Fahrzeugen wie Reiselimousine, Kombi, Großraumfahrzeug und Sport Utility Vehicle - eines der in der letzten Zeit bei verschiedenen Herstellern mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu findenden Crossover-Konzepte also, mit dem erheblich veränderten Wünschen von Menschen an ein Fahrzeug entsprochen wird, mit dem man eine Menge mehr tun und erleben kann, als nur von A nach B zu fahren. Mercedes-Benz nennt den Vision GST denn auch einen Allrounder, der die Merkmale verschiedener etablierter Fahrzeugkonzepte in einem neuen, eigenständigen Profil vereint, das einem ganzen Bündel von Ansprüchen gerecht wird. Denn dieses Auto ist nicht nur geräumig, funktionell und variabel, sondern sieht gut aus, hat einen individuellen unverwechselbaren Charakter, bietet modernste Technik und garantiert schließlich in jeder Situation perfekten Fahrspaß.

Primär sieht Mercedes im Vision GST dabei eine betont komfortable und leistungsstarke Reiselimousine für bis zu sechs Personen, einen "Tourenwagen" im Sinne dieses Wortes, der komfortables Reisen mit der ganzen Familie auf langen Strecken möglich macht. Dabei setzt man auf ein betont großzügiges Platzangebot, was auch durch die Dimensionen dieses Autos unterstrichen wird. Denn mit einer Länge von 5,15 Meter und einem Radstand von knapp 3,22 Meter entspricht der auf ungewohnt großen 22-Zoll-Rädern rollende Vision GST einer S-Klasse mit verlängertem Radstand. Ein respektables Auto also, das mit einer betont sportlichen Karosserielinie mit ausgeprägtem Coupé-Charakter auftritt.

A- und C-Säule sind beim Vision GST durch eine bogenförmige Dachlinie in leichtem Schwung miteinander verbunden und die Seitenfenster laufen in einem markanten spitzen Winkel aus, ohne dass sie von einer B-Säule unterbrochen werden. Denn auf die hat man bei Vision GST völlig verzichtet. Das machte es möglich, dieses Auto mit sogenannten Schmetterlings-Türen auszustatten - vorn angeschlagen die vorderen, hinten die hinteren, die gemeinsam geöffnet einen besonders bequemen Zugang zum Innenraum erlauben und zugleich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten für das Interieur eröffnen. Holz, Leder und Aluminium in hochwertiger handwerklicher Verarbeitung sind dabei die bevorzugten Werkstoffe im Innenraum, der sich besonders hell und lichtdurchflutet präsentiert. Denn im Dach erstreckt sich von der Frontscheibe bis zum Heck eine große Scheibenfläche aus speziellem elektrochromen Glas, dessen Tönung und damit Lichtdurchlässigkeit sich durch Knopfdruck je nach Sonnenintensität verändern lässt.

Die bis zu sechs Passagiere des Vision GST nehmen nicht nur vorn sondern auch in den zwei weiteren Sitzreihen auf bequemen und vielfach verstellbaren Einzelsitzen mit integrierten Gurtsystemen Platz. Diese Sitze sind so konstruiert, dass man ihre Verankerungen an der Karosserie nicht sieht, so dass sie frei schwebend wirken und damit den schon großzügigen Raumeindruck des Vision GST unterstreichen, der zugleich ein besonders variables Auto ist. So lassen sich die Fondsitze mit wenigen Handgriffen zusammenklappen oder auch herausnehmen, um Platz für den Transport von Fahrrädern, Skiern, Snow-

boards und anderen Freizeitgeräten oder auch großen Gepäcks zu erhalten. Zugang zu diesem variablen Laderaum schafft eine weit nach oben öffnende große Heckklappe.

Mit kräftigem AMG-Achtzylinder

Als großer sportlicher und komfortabler Tourenwagen ist der Vision GTS natürlich auch angemessen motorisiert. So arbeitet unter der Motorhaube der Studie der mit einer Automatik mit Tippschaltung per Wipptasten am Lenkrad kombinierte 5,5-Liter-Achtzylinder von AMG, der beachtliche 265 kW (360 PS) leistet und bereits bei 3000/min sein höchstes Drehmoment von 530 Nm liefert. Bei so viel souveräner Leistungsentfaltung reichen dem Vision GST, der problemlos in die Fahrleistungsbereiche von Sportwagen vorstößt, weniger als sieben Sekunden für den Spurt auf Tempo 100. Entsprechend leistungsstark ist auch das Bremssystem, bei dem Mercedes-Benz auf die erst im vergangenen Jahr im neuen SL eingeführte elektronisch geregelte Hochdruckbremse Sensotronic Brake Control (SBC) setzt, die jeweils den optimalen Bremsdruck für jedes einzelne Rad liefert. Bei der Bremsen-Hardware setzt man beim Vision GST auf groß dimensionierte Bremsscheiben aus auch extremen Temperaturen gewachsener mit Kohlefasern verstäkter Keramik.

Auch die weitere technische Ausstattung genügt höchsten Ansprüchen. So sorgt das elektronische Allrad- und Traktionssystem 4-ETS in Verbindung mit der Fahrdynamikregelung ESP für hohe Fahrsicherheit und erlaubt auch sicheres Fahren abseits befestigter Straßen. Höchsten Federungs- und Abrollkomfort vor allem auch auf langen Strecken garantiert die Luftfederung Airmatic, die mit einem adaptiven Dämpfer-

systen zusammenarbeitet, das die Stoßdämpfer dem jeweiligen Beladungszustand, der Fahrbahnbeschaffenheit und der aktuellen Fahrweise anpasst.

Wie in jeder zukunftsweisenden Studie steckt auch im Vision GST manche noch nicht in die Serie eingeführte innovative Technik. Dazu gehört zum Beispiel das neuartige Insassen-Schutzsystem Pre-Safe, das einen drohenden schweren Unfall schon beim Entstehen erkennen kann und noch vor dem Aufprall spezielle neu entwickelte Schutzsysteme aktiviert. Dazu gehören zum Beispiel neuartige Gurtstraffer und ein automatisch verstellbarer Sitz, der den Beifahrer in eine sichere Position bringt, sodass ihn Gurt und Airbags optimal schützen können.

Auf Zukunftstechniken setzt Mercedes-Benz schließlich auch beim Lichtsystem des Vision GST - und zwar innen wie außen. Für das Fern- und Abblendlicht werden Bi-Xenon-Projektionsscheinwerfer und als Tagfahrlicht und für die Blinker Hochleis-tungs-Leuchtdioden eingesetzt. Beim "aktiven" Bremslicht schalten beim Tritt aufs Bremspedal alle Rücklichtfunktionen auf rote Bremswarnung um. Und die Leuchtdioden des Blinkers werden als effektvolles Lauflicht aktiv. Innen sorgt ein aufwändiges Lichtkonzept mit neuartigen Leuchtflächen am Dach, in den Türverkleidungen und am Mitteltunnel für eine ausgesprochen wohnliche Beleuchtung an Bord dieses Autos, aus dem man viele technische und gestalterische Elemente sicher schon in naher Zukunft in neuen Modellen mit dem Stern wiederfinden wird.

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