Zeitung Heute : Illusionskünstler

Schinkels Bauakademie wird aufgebaut – vorerst als Attrappe

Luise Gunga

Viele Jahrzehnte lang schmückte Schinkels Bauakademie den Platz hinter der Friedrichswerderschen Kirche. Dann fiel sie dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Nun soll die Bauakademie wieder aufgebaut werden. Bald wird es auf den ersten Blick so aussehen, als ob das schon geschehen sei: Eine Attrappe soll für Spendengelder werben , ohne die der Wiederaufbau nicht weitergehen kann.

Bislang steht nur eine nachgebaute „Musterecke“ auf dem einstigen Filetgrundstück, unmittelbar gegenüber dem Auswärtigen Amt in Berlin-Mitte. Seit vier Jahren vermittelt sie einen Eindruck, welche Ausstrahlungskraft Schinkels Bauakademie einst hatte. Die geplante Attrappe soll durch Folien entstehen, die den roten Klinkerbau aus dem Jahr 1835 in Originalgröße abbilden – ähnlich der publikumswirksamen Attrappe des Stadtschlosses vor rund zehn Jahren.

Initiator dieser Architekturillusion ist der Verein Internationale Bauakademie Berlin. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, das historische Gebäude originalgetreu zu rekonstruieren. Dem Vorstand des Vereins gehört der Präsident der Technischen Universität, Kurt Kutzler, an. „Weil die Bauakademie einer der historischen Vorläufer der TU Berlin ist, versteht es sich von selbst, dass ihr Wiederaufbau für uns Herzenssache ist und wir ihn nach Kräften unterstützen“, sagt Kutzler.

Die Bauakademie, in der die Architekten und Baufachleute Preußens ausgebildet wurden, ging später in der Königlichen Technischen Hochschule auf, die in diesem Jahr 125 Jahre alt wird – als TU Berlin. So gehört die Architektur zu den ersten Gründungsfächern der Universität. Das Fach ist in Forschung und Lehre stark vertreten. In der wieder errichteten Bauakademie will der Verein ein Zentrum der Architekturvermittlung und Architekturforschung einrichten.

Zwei bis drei Jahre sollen die Folien hängen. „In dieser Zeit müssen wir genug Stifter, Sponsoren, Gelder und Eigenleistungen der Bauindustrie sammeln, um die Bauakademie zu finanzieren“, sagt der Architekt Paul Kahlfeldt, Schatzmeister des Vereins und Absolvent der TU. Der Verein wolle das Haus ohne einen Cent Steuergelder aufbauen und auch später keine öffentlichen Mittel einsetzen.

Der Wiederaufbau der Bauakademie soll 25 Millionen Euro kosten. Partner des Vereins Internationale Bauakademie ist der Bildungsverein Bautechnik. Eine gemeinnützige Stiftung soll als Bauherrin fungieren.

1945 war Schinkels Bauakademie vollständig ausgebrannt. Nur die Fassade blieb stehen. In den Fünfzigerjahren wurde die Ruine von der DDR-Führung aufgebaut, dann aber trotz vieler Proteste 1961 und 1962 wieder abgerissen. Auf dem Gelände wurde das DDR-Außenministerium errichtet, das 1995 den Abrissbaggern zum Opfer fiel.

Über die künftige Nutzung des Gebäudes wird ein rund 200 Quadratmeter großes Zimmer im Innenraum der Folienattrappe informieren. Zwar wird die neue Bauakademie nicht mehr der allgemeinen Ausbildung von Architekten und Bauingenieuren dienen, doch es wird daran gedacht, spezielle Kurse für Postgraduierte und Quereinsteiger anzubieten. Außerdem sollen dort Ausstellungen, Vorträge und Konferenzen zum Städtebau und der Baukunst stattfinden.

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