Zeitung Heute : Im Banne der Erdkrustenmusterung

REIMZEIT Erwin Grosche über „Die Wirklichkeit und andere Übertreibungen“

Mangels eines griffigeren Wortes mag man ihn Kleinkünstler nennen. Aber Erwin Grosche ist viel mehr. Zum Beispiel ein astreiner Poet, im besten, unsentimentalen, versponnenen Sinn. Von der Rad schlagenden, dop pel -

bö di gen Qualität seiner Kurzprosa, in der sich gern knackige, heiter-philosophische Aphorismen verbergen, kann jeder hier einen Geschmack bekommen. Grosches einzig-

artige Bühnen kunst aber spottet verbaler Beschreibung. Selbst dann, wenn der 63-jährige Paderborner seine Texte ohne Brimborium und Requisiten vorträgt, zieht er den geneigten Zuschauer in seinen Bann – mit großen Augen, ungläubig staunend über „Die Wirklichkeit und andere Über trei bun -

gen“. Doch die scheinbar naive Weltsicht (ja, er schrieb auch mehrere Kinderbücher) findet in seinem aktuellen Programm zusätzlichen Ausdruck in Düsentrieb’schen Gerätschaften, vom achtärmeligen Pullover für alle Gelegen-

heiten bis zum transportablen Klappstehpult mit Vorhang und aufschraubbaren Plastik-

mikrofonen. Und musikalisch ist er auch noch! Seine Lieder über Spannbetttücher und Händetrockner begleitet er auf dem Akkor-

deon oder einem Kinderklavier. Und er erweist sich als begnadeter Instrumentalist, an elektrischer Zahnbürste, Akkubohrer und Eierschneider – pardon: „Eierharfe“. eNTe

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