Zeitung Heute : Im Bioland

Nina C. Zimmermann

Am Donnerstag beginnt die Grüne Woche in Berlin. Wenn eine Sparmentalität den Zeitgeist prägt, hat die Biokost dann noch Zukunft?

Fast 60 Prozent der Deutschen greifen laut einer Studie des Verbraucherschutzministeriums zumindest gelegentlich zu Bioprodukten. Der Preis scheint dabei nicht so entscheidend zu sein: Müssen die Kunden im Durchschnitt auch 20 bis 30 Prozent mehr zahlen als für konventionell hergestellte Produkte, so konnte sich der Handel im vergangenen Jahr dennoch über einen Umsatzzuwachs von zehn bis 15 Prozent freuen – das ist immer noch viel nach dem BSE-Krisenjahr 2001, als der Umsatz von Bioprodukten um 30 Prozent anstieg. Für Felix Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft ist der biologische Anbau denn auch „die zukunftsträchtigste Form der Landwirtschaft“. Die Frage, wie hoch das Einkommen der Konsumenten ist, sei bei der Kaufentscheidung nicht mehr vorrangig, sondern der Bildungsstand. Qualitätskriterien spielen dem Verbraucherministerium zufolge eine wachsende Rolle bei Auswahl und Kauf von Lebensmitteln. So legt über die Hälfte der Deutschen Wert auf eine artgerechte Tierhaltung und den Verzicht auf eine vorbeugende Behandlung von Tieren mit Antibiotika.

Stehen die Zeichen auf „Bio“? Für den Handel ja. Etwa 2000 Bioläden gibt es in Deutschland, davon 230 mit mehr als 200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Tendenz steigend. 40 neue Läden sind 2004 hinzugekommen. Gut sieht es auf den ersten Blick auch für die Erzeuger aus. 850 neue Betriebe kamen im vorigen Jahr dazu. Zu schaffen mache ihnen aber die billigere ausländische Konkurrenz, sagt Felix Löwenstein. Und das Preisniveau für hiesige Bioprodukte hänge sehr von den Preisen für konventionelle Erzeugnisse ab. Sinken die weiter, dann müssen die Erzeuger von Bioprodukten eher früher als später nachziehen, um im Vergleich nicht unerschwinglich zu erscheinen.

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