Zeitung Heute : Im Dienste der Rendite

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Hedgefonds können eine Menge Unheil anrichten. Sie investieren hohe Summen mit großem Risiko an den Finanzmärkten. Wenn das schiefgeht, wie 1998, als der amerikanische Fonds LTCM sich bei Währungsgeschäften verspekulierte und zahlungsunfähig wurde, kann das internationale Finanzsystem ins Wanken geraten, weil die Fonds meist mit geliehenem Geld arbeiten. Damals musste die US-Notenbank eingreifen, um einen Dominoeffekt zu unterbinden und einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Auch einige deutsche Unternehmen haben ihre Erfahrungen mit den Heuschrecken gemacht, die sich in ihre marode Firma eingekauft haben und nun bestimmen, wo es langgeht. Immer unter der Devise, extrem hohe Renditen für die Anteilseigner des Hedgefonds rauszuholen.

Die Gründe für eine stärkere Regulierung der Fonds liegen also auf der Hand. Trotzdem wird eine solche Regulierung nicht kommen. Zwar will die Bundesregierung das Thema Hedgefonds während ihrer Präsidentschaft im Club der mächtigsten Wirtschaftsmächte G 8 angehen und hat dabei auch unterstützende Signale aus London und Washington bekommen. Doch wirklich an die Leine legen will die Hedgefonds kaum jemand. „Es geht dabei nicht um Regulierung sondern um Transparenz“, sagt eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums.

Transparenz, das heißt vor allem, dass sich die Hedgefonds künftig zentral registrieren lassen und angeben müssen, wie viel Geld sie verwalten und wo sie es anlegen. Anders als in Deutschland, wo relativ strenge Vorschriften für Hedgefonds gelten, sind die Regeln in anderen Staaten nämlich lax bis nicht vorhanden. Deshalb existieren auch keine gesicherten Daten darüber, wie viele Hedgefonds es wirklich gibt und wie viel Geld sie haben. Schätzungen gehen von 9000 Hedgefonds aus, die zusammen über rund 1,2 Billionen Dollar verfügen.

Gäbe es internationale Transparenzregeln, würde man wenigsten frühzeitig sehen, wenn etwas schiefläuft, sagt Guiseppe Amato vom Börsenhändler Lang & Schwarz. „Das hilft aber nur, wenn man auch Instrumente hat, um dann einzugreifen.“ Die sind nicht geplant. Man will die Anbieter nicht verschrecken. Denn die Fonds leisten auch Dienste, die in der Finanzwelt hoch geschätzt werden. Wenn sie in marode Unternehmen einsteigen, übernehmen sie Risiken, die sonst niemand tragen will. „Die gehen da rein, wo andere nicht reinwollen“, sagt Amato. So werde auch mancher Kursverfall an den Märkten gestoppt.

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