Zeitung Heute : Im Einsatz bei Freunden

André Görke

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat am Dienstag ausländische Polizeibeamte begrüßt, die bei der WM eingesetzt werden. Welche Aufgaben übernehmen diese Polizisten?


Die Ansage des Bundesinnenministers war sehr deutlich. „Sie sind nicht nur Gäste hier“, sagte Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Begrüßung von mehr als 300 Polizisten aus 13 europäischen Ländern. „Sie sind Polizeibeamte im Einsatz“ – wenn auch nur bei der Fußball-WM 2006.

So klar waren die Ansagen bisher nicht. Denn Polizisten aus dem Ausland haben in Deutschland eigentlich keine hoheitlichen Befugnisse. Doch während der Weltmeisterschaft gibt es nun Ausnahmen: Die 323 Beamten werden in Uniform auftreten, sie dürfen Platzverweise erteilen, Personalien kontrollieren und Hooligans festnehmen. Von der Waffe allerdings dürfen sie nicht Gebrauch machen – das bleibt Aufgabe der deutschen Polizisten. Insgesamt sollen bei der Fußball-WM rund 250 000 deutsche Polizisten im Einsatz sein, rund 30 000 von ihnen arbeiten bei der Bundespolizei.

Das Bundesinnenministerium erhofft sich durch den Einsatz von ausländischen Polizisten eine bessere Kommunikation mit den Fans. Die Anhänger sollen an den Flughäfen oder Bahnhöfen schnell erkennen, dass Polizisten aus ihrem Land angereist sind. „Sie sollen der Freund und Helfer in der Fremde sein“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums.

Darüber hinaus sind weitere knapp 200 Polizisten aus allen 31 WM-Gastländern Deutschland unterwegs. Sie sind bei den Hooliganfahndern der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Neuss angesiedelt. „Diese Kollegen haben jedoch keine hoheitlichen Befugnisse“, sagte der Ministeriumssprecher. Die speziellen Ermittler kennen die Hooliganszene ihres Landes. Für ihren Einsatz in Deutschland haben sie Landkarten und Handys erhalten und teilen sich mit einem deutschen Verbindungsbeamten ein Auto. Sie folgen ihrer Klientel durch die Städte und informieren die deutschen Beamten, welche gefährliche Hooligangruppe sich wo befindet. Kommt es zu Ausschreitungen, dann kann der Verbindungsbeamte auch Verstärkung von deutschen Polizeieinheiten anfordern.

Als Schäuble die Verstärkung aus dem Ausland empfing, nutzte er die Gelegenheit, vor Hysterie zu warnen. Es sei unfair, alle polnischen Fans unter Generalverdacht zu stellen. Schäuble erinnerte an die WM 1998 in Frankreich, als deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel zum Krüppel prügelten: „Da waren’s nicht Polen, da waren’s nicht Briten – da waren es Deutsche.“

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