Zeitung Heute : Im Kino tanzen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

Gehen Sie heute Abend mal wieder zum Feiern ins Kino. Dort hat nämlich das F.U.N. seit kurzem seine neue Heimat gefunden. Im Kino International.

F.U.N., Sie erinnern sich vielleicht, war dieser Club in einer ehemaligen DDR-Diskothek in der Mohrenstraße in Mitte, wo es zeitweise einige ganz gute Partys gegeben hat. Im F.U.N. hing das ehemalige Publikum aus dem Pogo-Club herum, das heißt Leute aus dem Musik- und Modegeschäft, Party-Promoter, Künstler, Musiker, einige Journalisten und viele junge Schauspieler. Es ist also die übliche Mitte-Mischpoke, die sich jetzt wieder im F.U.N. versammelt. Im zwei Wochen Turnus kann man ab heute in einem Seitenraum des herrlichen Kinos feiern. Der Eingang liegt auf der linken Seite des Kino-Gebäudes.

Von der schönen 60er Jahre Innenarchitektur des Kinos sieht man im neuen F.U.N. allerdings wenig. Erwarten Sie eher ein reduziertes Interieur und improvisierte Beleuchtung. Dafür wird allerdings im F.U.N. auf die Musik geachtet. Für heute Abend wurde mal wieder der Züricher DJ Headman eingeladen. Der Schweizer hat schon einige Male im Cookies gespielt und auch im alten F.U.N. war er häufiger zu Gast. Klar: Headman spielt nicht nur ziemlich gut ausgesuchte, eklektische DJ-Sets, seine eigenen Produktionen, feine Electric Boogie-Musik, wird derzeit von vielen Berliner DJs aufgelegt. Sein Remix von Seelenluft’s „Manila“ läuft im Moment wirklich auf jeder guten Party. Musikalisch ist heute im F.U.N. also gehobenere DJ-Unterhaltung zu erwarten. Hoffen wir nur, dass es darüberhinaus nicht wieder so chaotisch zugeht, wie bei der Eröffnungsveranstaltung vor einigen Wochen. Da herrschte ein mörderisches Gedrängel und man sah kaum die Hand vor Augen. Naja, ganz so schlimm war es nicht, aber Bekannte und Freunde zu finden, konnte man abhaken. Die Macher des Clubs haben bereits versprochen, heute Abend auf alle Fälle für besseres Licht und eine bessere Tür-Politik zu sorgen. Vor allem letzteres ist ein Versprechen, das sie angesichts der aktuellen Nachttemperaturen nicht vergessen sollten.

Denn in den vergangenen Tagen zeigte sich ja, dass überlanges Schlangestehen vor den Clubs nicht gerade gesundheitsfördernd ist. Zumindest ist das der Eindruck, den man angesichts der vielen kränkelnden Bekannten hat. Anrufe werden nicht beantwortet, und auf SMSe, in denen ich Ausgehvorschläge mache, erhalte ich nur Antworten wie: „Komm mich lieber besuchen, bin krank“ oder „Fühle mich nicht gut, bleibe lieber zu Hause“. Aber wahrscheinlich ist es nicht nur das überlange Schlangestehen vor den Clubs bei Minusgraden, die selbst die hartgesottensten Partygänger jetzt kurz vor Winterende ausgeknockt hat, womöglich ist es schlicht und einfach die Grippe, die derzeit in Berlin grassiert und die Reihen der Partygänger wahrscheinlich auch an diesem Wochenende deutlich lichten wird. Für das F.U.N. könnte das von Vorteil sein. Vielleicht gibt es ja diesmal Platz auf der Tanzfläche.

DJ Headman, F.U.N. im Kino International, Karl-Marx-Allee , Mitte, heute, ab 23 Uhr.

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