Zeitung Heute : Im Sauseschritt zu den Frauen

LENS (dpa/sid).Nach dem befreienden Startsieg beendeten Dänemarks Legionäre eigenmächtig ihren Liebes-Entzug.Frisch geduscht und ungekämmt stürmten die glücklichen Skandinavier in Badelatschen in der "Mixed-Zone" an den wartenden Journalisten vorbei und fielen erst einmal ihren besseren Hälften um den Hals."Wir haben unsere Frauen und Freundinnen acht Tage nicht gesehen.Als wir erfuhren, daß sie auf uns warten, waren wir schneller als vorher auf dem Platz", erklärte Michael Schönberg vom Deutschen Meister 1.FC Kaiserslautern die spontan aufgehobene Abstinenz nach dem 1:0 (0:0) gegen Saudi-Arabien."Wären wir auch im Spiel so gerannt, hätten wir sicher ein zweites oder drittes Tor gemacht", gab der Verteidiger nach dem bis dahin schwächsten Match der 16.Weltmeisterschaft selbstkritisch zu.

Denn so wichtig der Arbeitssieg für die Wikinger als bessere von zwei schwachen Mannschaften im ersten Gruppenspiel auch war, so derb fiel in der Heimat die Medien-Schelte nach der dürftigen Leistung aus."Auch kümmerliche Siege können schön sein", titelte "Jyllands-Posten" am Sonnabend trefflich."Die Dänen jagten den Sieg mit rasender Energie, machten serienweise Fehler, vergaßen den Ball in wichtigen Situationen, ließen Riesenchancen aus.Aber sie erreichten ihr Ziel", urteilte "Politiken" folgerichtig, während "Berlingske Tidende" den von Trainer Bo Johansson beschworenen "Auftakt nach Maß" relativierte und die Saudis als "noch schwächer als erwartet" einstufte.

"Das erste WM-Spiel hat immer seine Tücken, aber jetzt können wir befreit aufspielen, weil wir sehr gute Chancen für das Achtelfinale haben.Von daher war mein Jubiläum perfekt", meinte Kapitän Michael Laudrup, der vor der Partie ein Rosen-Bukett in den Landesfarben rot-weiß für sein 100.Länderspiel überreicht bekam.Daß sein Jubiläums-Auftritt doch noch zum vollen Erfolg wurde, dafür sorgte ausgerechnet Marc Rieper (68.).Denn der 1,91-m-Riese von Celtic Glasgow agiert sonst typisch schottisch."Nun werde ich unser Top-Scorer", versprach der baumlange Manndecker augenzwinkernd nach seinem erst zweiten Tor im 54.Länderspiel auf präzise Flanke von Brian Laudrup.

"Das hat Rieper technisch perfekt gemacht.Die Dänen haben Kerls von zwei Meter, die bei hohen Flanken im Vorteil sind", sagte der brasilianische Saudi-Nationalcoach Carlos Alberto Parreira über den Siegtorschützen.Bei Parreiras "Wüstensöhnen" war 90 Minuten Sand im Getriebe: Nichts erinnerte an den brillanten Fußball, den sie vor vier Jahren bei der USA-WM noch auszeichnete.1994 noch im Achtelfinale, scheint das Weiterkommen diesmal unmöglich.Parreira, der vor vier Jahren Brasilien zum WM-Titel führte, scheint unter Druck zu geraten.Sein angeblich mit rund fünf Millionen Mark honoriertes Kurz-Engagement könnte schon in zwei Wochen beendet sein.

Schon zeigt sich die königliche Familie "not amused": "Die Mannschaft hat nicht die erforderliche Leistung gezeigt.Diese Dinge werden mit dem Trainer diskutiert werden müssen", sagte Prinz Bin Fahd Abd al-Aziz, Sohn von König Fahd und Stellvertreter seines Bruders Prinz Faisal als Sportminister und Fußballchef.

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