Zeitung Heute : Im Schatten der Großen

24 Stunden nach Merkel und Steinbrück wollten die Spitzenkandidaten von Grünen, FDP und Linkspartei in der ARD über ihre politischen Ziele diskutieren. Mit welchen Positionen gingen sie ins Rennen?

Weil der Ausgang des TV-Duells zwischen den Kontrahenten der großen Parteien auch Auswirkungen auf die politische Zukunft der kleinen haben könnte, beeilten sich Rainer Brüderle (FDP), Jürgen Trittin (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) im Anschluss, ihre Einschätzungen des Auftritts von Angela Merkel und Peer Steinbrück loszuwerden. Und das vor dem Hintergrund, dass die drei selbst 24 Stunden später zur TV-Debatte in der ARD antreten mussten. Verständlicherweise bewegten sie sich dabei in geübten beziehungsweise angestrebten koalitionären Bahnen, wobei der Liberale sich entscheiden musste, wem er sich im unionsinternen Streit um die Pkw-Maut anschließt. Brüderle stellte sich im ZDF- Morgenmagazin hinter die Kanzlerin: Der deutsche Autofahrer sei ohnehin schon „die Melkkuh der Nation. Da noch draufzusatteln, das ist nicht realistisch“, sagte der FDP-Spitzenkandidat. Die Differenzen Merkels mit CSU-Chef Horst Seehofer über dieses Thema sind für Brüderle „Petitessen“. Dass die FDP durchaus Sorge hat, die Union könnte sich nach der Wahl in eine große Koalition begeben, war aus den Worten von Parteivize Christian Lindner herauszuhören: „Der Vorrat an Gemeinsamkeiten zwischen SPD und CDU ist eher geringer geworden“, konstatierte der nordrhein- westfälische FDP-Vorsitzende.

Trittin macht sich noch Mut für ein rot-grünes Bündnis: Das TV-Duell habe „bewiesen, dass diese Wahl offen ist“. Die „demokratisch unanständige“ Strategie von Frau Merkel, offensiv auf Einschläferung und eine niedrige Wahlbeteiligung zu setzen, sei „mit diesem Wochenende durchbrochen“, sagte er.

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi, mit dessen Partei keiner koalieren mag, bescheinigte dem SPD-Kanzlerkandidaten, dass er das TV-Duell gegen Merkel gewonnen habe. Die Kanzlerin sei zwar zum Teil souveräner aufgetreten, sie habe aber „mehr geeiert“, sagte er im Deutschlandfunk. Steinbrücks Argumente seien präziser gewesen. Aber der Linken-Politiker machte auch aus seiner Enttäuschung über die erneute Absage an ein rot-rot-grünes Bündnis kein Hehl: Steinbrück habe nicht den „Mumm“ zu einem Politikwechsel, sagte Gysi.

Grünen-Spitzenkandidat Trittin hatte am Montag auch noch einmal einer Tolerierung von Rot-Grün durch die Linkspartei eine Absage erteilt: Mit Blick auf einschlägige Erfahrungen der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nach der Landtagswahl 2010 sagte er: „Das Ergebnis ist gewesen, dass bei der ersten Gelegenheit die Linke sich mit CDU und FDP verbündet hat. Auf eine Wiederholung dieser Erfahrung bin ich ehrlich gesagt nicht scharf.“ Auf die Frage, ob sich Trittin davor fürchte, dass der eloquente und pointiert argumentierende Gregor Gysi den abendlichen Dreikampf für sich entscheiden könne, sagte er selbstbewusst: „Ich habe bisher nicht den Eindruck gehabt, dass ich mich schlecht schlage bei Fernsehdebatten.“ ce/sc

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben