Zeitung Heute : Im Team zum Ziel

Sozialkompetenz, Teamgeist und Führungsstärke werden heutzutage ebenso erwartet wie Fachwissen. In Seminaren kann man an seinen Soft Skills arbeiten – komplett umkrempeln lassen kann man sich dort nicht

Silke Zorn

„Teamfähigkeit und Eigeninitiative zählen zu Ihren Stärken. – Sie überzeugen durch sicheres Auftreten und Verhandlungsgeschick. – Wir erwarten Einfühlungsvermögen und Kontaktfreude.“ Wer regelmäßig Stellenanzeigen liest, dem werden diese Sätze bekannt vorkommen. Seminare, in denen man die so genannten Soft Skills trainieren kann, gibt es viele. Doch muss man eine Weiterbildung besucht haben, um den Erwartungen zukünftiger Arbeitgeber gerecht zu werden?

Fakt ist: Die Forderungen von Unternehmen nach den „weichen Kompetenzen“ sind durchaus ernst gemeint. „Der Arbeitsalltag ist heute viel komplexer als noch vor zehn, zwanzig Jahren“, sagt Sabine Schönfeld, Trainerin beim Büro für Berufsstrategie in Berlin. „Viele Projekte sind fach- und ressortübergreifend. Da ist es besonders wichtig, dass Kollegen konstruktiv miteinander umgehen und voneinander lernen.“

Von Durchsetzungskraft, über Konflikt- und Teamfähigkeit bis zu Verhandlungs- und Führungsstärke kann bei den verschiedensten Bildungsanbietern alles trainiert werden – oft in nur wenigen Tagen und teilweise zu Preisen, die es in sich haben. Aber kann aus einer egozentrischen Frau Meyer an einem Wochenende ein echter Teamplayer werden? Wird ein schüchterner Herr Schmidt durch ein paar Rollenspiele zum Führungsprofi? „In seinen Grundfesten lässt sich ein erwachsener Mensch sicher nicht mehr verändern“, sagt Christian Püttjer von der Karriereakademie Püttjer & Schnierda. „In Soft-Skill-Kursen kommt es auch nicht darauf an, jemanden komplett ,umzukrempeln‘, sondern darauf, ihm neue Handlungsmöglichkeiten vorzustellen und zu üben, diese bei passender Gelegenheit umzusetzen.“

Umso wichtiger ist es, dass in Seminaren auf jeden einzelnen Teilnehmer eingegangen wird. Rollenspiele und Gesprächssimulationen sollten zum festen Repertoire gehören – möglichst mit Bezug zur individuellen Job-Situation jedes Kursteilnehmers. Außerdem sollte man Referenzen und Werdegang der Trainer im Blick haben. Denn, so Sabine Schönfeld: „Wer etwas selbst gelebt hat, kann es auch anderen gut vermitteln."

Zumindest ein wenig leichter als noch vor einigen Jahren hat man es laut Christian Püttjer bei der Suche nach dem passenden Kurs. „Die von den Firmen zurückgefahrenen Weiterbildungs-Etats haben unter den Anbietern zu einem gewissen Bereinigungseffekt geführt“, sagt Püttjer. „Übrig geblieben sind vor allem bewährte Anbieter, die sich ihren guten Ruf über Jahre aufgebaut haben.“ Für Studenten und junge Absolventen bieten die Career Center von Universitäten und Fachhochschulen immer häufiger kostengünstige Soft-Skill-Kurse zur Vorbereitung auf das Berufsleben an.

Zuviel erwarten sollte man von einem zwei- oder dreitägigen Gruppentraining allerdings nicht. Freitagabend noch der unentschlossene Ja-Sager und Montag früh die selbstsichere Führungspersönlichkeit – so klappt das nicht, meint Trainerin Sabine Schönfeld. „Es gibt Methoden und Werkzeuge, um an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Was es nicht gibt ist eine Generallösung, ein Hebel, der einfach umgelegt werden könnte.“ Wer an seinen Soft Skills basteln will, sollte außerdem planvoll vorgehen. „Es empfiehlt sich, zuerst zu überlegen, was im eigenen Berufsfeld überhaupt gefragt ist“, rät Trainer Christian Püttjer, der gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Schnierda zahlreiche Karriere- und Bewerbungsratgeber veröffentlich hat. „zum Beispiel durch einen Blick in die Stellenanzeigen.“ Wer beispielsweise im Vertrieb arbeite, sollte sich in Verkaufsgesprächen, Kundenpräsentationen oder Reklamationsgesprächen auskennen. Während etwa ein Ingenieur, der in abteilungsübergreifenden Projektgruppen tätig ist, die Sichtweise seiner kaufmännischen Kollegen verstehen und in seine Argumentation einzubeziehen sollte.

Dass immer mehr Unternehmen bei der Bewerberauswahl Soft Skills ebenso wichtig finden wie fachliche Kompetenz, zeigt die steigende Zahl von Assessment Centern – Personalauswahlverfahren, bei denen nicht die fachlichen, sondern in erster Linie die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Bewerber auf dem Prüfstand stehen.

„Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, souveränes Auftreten, Initiative und Teamfähigkeit werden von jedem Bewerber erwartet und deshalb in unseren Assessment Centern auch abgeprüft“, sagt Franz Rottländer, Vorstand für Personal und Recht bei der Coca-Cola AG. „Darüber hinaus gibt es Fähigkeiten, die nur für bestimmte Aufgaben oder Positionen relevant sind und nur sehr gezielt getestet werden.“ Deshalb rät Rottländer auch in Sachen Weiterbildung: Genau hinschauen, welche Soft Skills im ausgeübten oder anvisierten Job überhaupt gefordert sind.

Auch bei Daimler Chrysler führt der Weg zum Job für Hochschulabsolventen erst einmal durch das Assessment Center. „Wir wollen nicht nur sehen, was ein Bewerber weiß, sondern auch, wie er sein Wissen transportiert“, so ein Sprecher des Berliner Daimler-Chrysler-Werks. Wie so oft im Leben gilt auch bei den Automobilbauern: Die Mischung macht’s. „Wir wünschen uns Mitarbeiter mit einer ausgewogenen Persönlichkeit, die selbst reflektieren, wie sie auf andere wirken.“ Doch den Personalern bei Daimler ist auch bewusst, dass Arbeitnehmer immer nur so gut sein können wie ihr Unternehmen. „Eine Organisation, die von ihren Mitarbeitern Offenheit, Teamgeist und Konfliktfähigkeit fordert, muss auch ein vertrauensvolles Arbeitsklima bieten, in dem diese Qualitäten sich entfalten können“, heißt es aus dem Konzern.

Wer in Eigenregie Soft-Skill-Kurse besucht hat, sollte sich übrigens nicht scheuen, entsprechende Zertifikate einer Bewerbung beizulegen, meint Job-Coach Sabine Schönfeld. „Das heißt für den Arbeitgeber nicht etwa, dass der Betreffende ohne professionelle Hilfe nicht teamfähig oder führungsstark ist, sondern dass er Methoden kennen gelernt hat, mit deren Hilfe ein konstruktiveres Miteinander im Job möglich wird.“

Geld sparen und Soft Skills aus Büchern lernen? Das geht nur begrenzt. Zwar können Ratgeber einen ersten Überblick verschaffen. Ein Training können sie nicht ersetzen. Und auch die kostengünstige Variante, als Rollenspielpartner Freunde und Bekannte einzuspannen, hat so ihre Tücken. „Freunde haben meist ein sehr eingefärbtes Bild von jemandem, den sie schon lange kennen“, meint Sabine Schönfeld. „Fremde haben mehr Distanz, sind objektiver und oft auch ehrlicher.“ Bei Soft-Skill-Trainings in Eigenregie fehle außerdem die Anleitung durch einen Profi, der das Geschehen moderiert und mit den Teilnehmern auswertet. Hilfreich kann es aber sein, nach Vorbildern zu suchen, findet Christian Püttjer. Welche Kollegin überzeugt mich bei Präsentationen? Welcher Vorgesetzte geht souverän mit seinen Mitarbeitern um? Und wer schafft es in kontroversen Meetings, die Wogen zu glätten und auf ein Ergebnis hinzuarbeiten?

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