Zeitung Heute : Im Westen was Neues

Immer mehr Investoren entdecken das Potenzial des Traditionsboulevards

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Mehr als Theater. Der Umbau des Ku’damm-Karrees nach Plänen von David Chipperfield soll 2012 beginnen. Foto: promo
Mehr als Theater. Der Umbau des Ku’damm-Karrees nach Plänen von David Chipperfield soll 2012 beginnen. Foto: promo

Der Ort für die Präsentation war gut gewählt: Als die Planer des Ku'damm-Jubiläums ihr Festprogramm am Montag im Rohbau des neuen Zoofenster-Hochhauses vorstellten und die Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) den Boulevard als „hoch attraktiv für Investoren“ lobte, schwebten passend dazu Baumaterialien vor den Fenstern nach oben zur Spitze des 119 Meter hohen Turms. Eine „hervorragende Zukunft“ prophezeite auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem Herzen der City West. Es sei an der Zeit, die „ewige Diskussion“ darüber zu beenden, ob sich die östliche oder die westliche Innenstadt besser entwickele. „Begreifen wir es doch einmal: Eine große Metropole hat mehrere Zentren, die nicht in Konkurrenz stehen“, betonte Wowereit.

Unter Investoren sind der Kurfürstendamm und seine Umgebung jedenfalls so beliebt wie schon lange nicht mehr, wie der anhaltende Bauboom zeigt. Das Zoofenster ist das auffälligste Beispiel, im Dezember will der Hotelkonzern Hilton darin ein Luxushotel der Marke Waldorf-Astoria mit 191 Zimmern, je 21 Suiten und Appartements sowie einer Präsidentensuite mit kugelsicheren Fenstern in der 31. Etage eröffnen. Noch ist allerdings nur ein Musterzimmer zu sehen, das die preisgünstigste Kategorie repräsentiert. Im Parterre wird ein „Romanisches Café“ an den legendären gleichnamigen Künstlertreff aus den 1920er Jahre erinnern und neben Hotelgästen auch Passanten zum Verweilen einladen. „Das Erdgeschoss gehört ganz der Stadt“, hat der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler angekündigt. Jahrelang hatte kaum noch jemand damit gerechnet, dass sein Hochhausentwurf verwirklicht würde – bis sich Investoren aus Abu Dhabi dazu entschlossen, etwa 230 Millionen Euro zu investieren. Aus ihrer Sicht ist die einst als Treffpunkt von Drogensüchtigen verrufene Gegend zwischen Bahnhof Zoo und Breitscheidplatz „eine der besten Locations in Berlin“.

So sieht es auch die Bayerische Hausbau GmbH, auf deren große Baustelle man aus dem Zoofenster blickt: Unter dem Titel „Bikini Berlin“ werden das Kino Zoo-Palast, das sechsstöckige „Bikini-Haus“ aus den 50er Jahren und das weiße Hochhaus am Hardenbergplatz bis Ende kommenden Jahres modernisiert. Bis vor kurzem waren die zunehmend maroden Nachkriegsbauten entlang der Hardenberg- und der Budapester Straße noch als „Zoobogen“ bekannt. Für rund 100 Millionen Euro entstehen nun Appartements, Büros und 17 000 Quadratmeter Fläche für Geschäfte und Gastronomie. Den Zoo-Palast übernimmt der Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe, um daraus nach dem Vorbild seiner „Astor Film Lounge“ am Kurfürstendamm ein weiteres gediegenes Filmtheater zu machen; außerdem soll die Berlinale das traditionsreiche Kino künftig wieder als Festivalspielstätte nutzen.

Der benachbarte Hardenbergplatz soll bald mehr als nur ein von Bushaltestellen und Parkplätzen geprägter Vorplatz des Bahnhofs Zoo sein: Das Bezirksamt plant einen „zentralen Veranstaltungsort“ ohne Autoverkehr und will die Stellplätze in eine privat bewirtschaftete Tiefgarage verlagern. So könnten oben zum Beispiel Kirchentage und Events zu großen Sportveranstaltungen stattfinden, für die es auf dem Breitscheidplatz mit dem „Wasserklops“-Brunnen und der Gedächtniskirche an ausreichend großen Flächen mangele, sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) vor wenigen Tagen. Um den Zoologischen Garten „visuell in die Stadt zu tragen“, kann er sich sogar vorstellen, das Elefantengehege bis auf Teile des Hardenbergplatzes zu erweitern. Die Zoo-Verwaltung reagiert allerdings überrascht: Zurzeit sei die Idee des Stadtrats „kein Thema“, heißt es.

Gescheitert ist wohl ein anderes spektakuläres Projekt am Rande des Platzes – das geplante Riesenrad auf dem ehemaligen Wirtschaftshof des Zoos. Seit den Investoren das Geld ausgegangen ist, streiten sich Anleger mit Geldinstituten, die ihnen den „Aussichtsrad-Fonds“ schmackhaft gemacht hatten. Nur wenige Bezirkspolitiker glauben noch wie Baustadtrat Gröhler, dass neue Investoren das Riesenradprojekt wieder aufleben lassen könnten.

Ein kaum noch erwartetes Comeback erlebt dafür das denkmalgeschützte Haus Cumberland zwischen der Bleibtreu- und der Schlüterstraße. Wie beim Zoofenster hatte es auch dort mehrere Eigentümerwechsel gegeben, ansonsten geschah seit dem Auszug der Oberfinanzdirektion in den 90er Jahren nichts. Nur Filme wie der Hollywood-Thriller „Die Bourne Verschwörung“ wurden in dem Altbau gedreht, der vor 99 Jahren als hotelähnliches Boarding House entstanden war. Jetzt aber haben drei Berliner Immobilienunternehmer mit dem Umbau für rund 130 Millionen Euro begonnen und die erste Musterwohnung präsentiert. Insgesamt entstehen 210 Wohnungen, fünf Ladenräume, 16 Büroeinheiten und ein 500 Quadratmeter großes Restaurant, das die Bauherren gerne mit dem Pariser „La Coupole“ vergleichen.

Gleich nebenan läuft das Projekt „N° 195 Kudamm“: An der Ecke Bleibtreustraße investiert die Projektentwicklungs- und Fondsgesellschaft Freo Group etwa 100 Millionen in einen achtstöckigen gläsernen Neubau und in die Sanierung des denkmalgeschützten Hochhauses aus den 60er Jahren, in dem früher der Herrenausstatter Selbach residierte. Läden sollen ein Viertel der Fläche von 15 200 Quadratmetern nutzen, der Rest ist für Büros und Wohnungen gedacht. Anlässlich des Ku’damm-Jubiläums lädt der Investor jetzt zu Baustellenführungen ein: Die 60- bis 90-minütigen „Zeitreisen“ unter dem Titel „Historie, Gegenwart und Zukunft“ finden an vier Sonnabenden statt (7. Mai, 18. Juni, 16. Juli und 10. September), kosten vier Euro und enden mit einem Besuch im Currywurst-Imbiss „Biers Kudamm 195“.

Zum umstrittensten Vorhaben wurde die Neugestaltung des Ku’damm-Karrees nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield, weil in dem 70er-Jahre-Bau das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm liegen. Der Verein „Rettet die Ku'damm-Bühnen“ setzte im Januar sogar einen Bürgerentscheid für die Erhaltung beider Spielstätten im Originalzustand durch – scheiterte dann aber an der zu geringen Wahlbeteiligung. Damit kann der irische Investor Ballymore das Ku’damm-Karree voraussichtlich ab 2012 für 500 Millionen Euro modernisieren. Theaterintendant Martin Woelffer erhält ein neues Boulevardtheater in der dritten Etage mit Eingang im Parterre. Diese Lösung schafft den Raum für eine geplante Einkaufspassage.

Auch am westlichen Ende des Ku’damms wird bald gebaut: Zwischen dem S-Bahnhof Halensee und der Stadtautobahn will die Bauhaus-Kette ab Herbst einen großen Bau- und Gartenmarkt errichten, der durch einen Wintergarten mit Pflanzen und Bäumen ein „grünes Tor“ zum Boulevards werden soll.

Und die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz ist zwar wegen der Sanierung des alten Turmes eingerüstet, beteiligt sich an der Jubiläumsfeier aber mit Führungen, die 5,50 Euro kosten: Sonnabends ab 16 Uhr kann man die Baustelle besichtigen und von einem dortigen Balkon die Aussicht genießen.

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