Zeitung Heute : Im Zeichen der Angst

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Wer von uns wäre nicht gern so cool wie ein junger Rap-Sänger auf MTV? Oder, um mich der älteren Generation verständlich zu machen, wer besäße nicht gern die erotische Furchtlosigkeit eines Humphrey Bogart, der in Casablanca den Stürmen der Weltgeschichte trotzt? Dabei ist auch die Angst keine zu verachtende Tugend. Vorausgesetzt, wir fürchten uns in Maßen und vor den richtigen Dingen. Für ihr Feature „Vom Umgang mit der Angst“ hat sich Autorin Mechthild Müser unter Angstforschern umgehört. Kontrollierte Angst gilt den Wissenschaftlern als leistungsfördernder Ansporn und als Schutzmechanismus im brutalen Getriebe der Evolution. Wer sich angemessen fürchtet, lebt länger. Der Coole wirkt zwar meist attraktiver. Aber manchmal ist er einfach nur der Dumme (Radio Kultur, 28. Februar, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Natürlich gibt es in puncto Angst Ermessensspielräume. Der eine fürchtet sich schon vor Spinnen an der Wand, die andere saust noch im dicksten Nebel gefährliche Skipisten hinunter. Was furchtbar böse ausgehen kann, wie Martin Raspe in seiner Sendung „Tatort Skipiste“ berichtet. Die Helfer von der bayerischen Bergwacht können da viele Geschichten erzählen. Nicht nur gut bezahlte Spitzensportler zerschellen heutzutage an den Fangzäunen, immer ö fter erwischt es auch ehrgeizige Wochenendpiloten. Wo die Angst vollkommen fehlt, da kann es nicht mal mehr der Notarzt richten (Deutschlandradio, 24. Februar, 17 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Den Begriff Angstlust hat Sigmund Freud erfunden. Diese ambivalente Gefühlslage kommt ins Spiel, wann immer wir uns an Kriminalgeschichten erfreuen. Womit wir beim Hörspielkrimi wären, der seit jeher zu den Quotenbringern im Kulturradio zählt. Aus dem üppigen Angebot der kommenden Woche empfehlen wir „Texas Damski“ von Edgar Lipki. Damski ist Privatdetektiv und nicht gerade begeistert von seinem Job. Aber diesmal verschlägt es ihn nach Texas. Wo Nazigold lagert und ein Mord an die Schrecken der Geschichte erinnert (Deutschlandfunk, 2. März, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Alle Gefühle glauben an einen guten Ausgang, schreibt Alexander Kluge in einer seiner Erzählungen. Soll heißen: Der Mensch ist eher geneigt, auf die Hoffnung als auf die Angst zu setzen. In diesen Tagen feiert die gebildete Welt den 70. Geburtstag des einstigen Autorenfilmers und heutigen Stachel im Fleische des Privatfernsehens. „Wer sich Mühe gibt, hat Glück gehabt“, so der Titel eines schönen Kluge-Porträts von Katharina Teichgräber (Deutschlandradio, 26. Februar, 0 Uhr 05).

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