Im BLICK : Quote auf Arabisch

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Das Königreich Saudi-Arabien war bislang nicht als Land der Gleichberechtigung bekannt. Die Trennung der Geschlechter gehörte quasi zur Staatsräson, Frauen hatten nichts zu melden. Wählen, Autofahren, für Frauen westlicher Kulturen längst eine Selbstverständlichkeit, ja selbst das Gassigehen mit dem Hund waren für weibliche Saudis passé.

Jetzt schenkt König Abdullah, mit 88 Jahren hoch betagter Monarch des Landes, seinen Untertaninnen ein Stück Freiheit und Mitsprache: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes hat das Staatsoberhaupt 30 von ihnen in sein Beratergremium, den Schura-Rat berufen, darunter zwei Prinzessinnen, die bekannte Krebsforscherin Chaula al Kuraja und die ehemalige UN-Untergeneralsekretärin Thuraja Obeid. Die Frauenquote von 20 Prozent – 120 Ratsmitglieder sind männlich – darf auch in Zukunft nicht unterschritten werden: Das hat der König persönlich verfügt.

In einem Land, das als eines der autoritärsten der Welt gilt und an männlicher Dominanz kaum noch zu überbieten ist, ist die bloße Mitgliedschaft von Frauen im Schura-Rat sicherlich schon als Fortschritt zu bezeichnen. Ob sie für die Prinzessinnen und Wissenschaftlerinnen allerdings auch mehr politische Teilhabe bedeutet, wird sich in der Praxis erst noch zeigen müssen. Dagegen spricht, dass der Schura-Rat Saudi- Arabiens, anders als etwa die gleichnamige Institution in Ägypten, keine Gesetze verabschieden darf. Dieses Recht bleibt allein dem König vorbehalten. Immerhin darf das Beratergremium des Monarchen Minister zur Befragung einbestellen, hat Einsicht ins Budget und darf Vorschläge machen, was künftig Gesetz werden soll.

Wie hat man sich die Debatte darüber vorzustellen? Nun, auf Augenhöhe, so sagt man wohl bei uns im Abendland, werden die männlichen und weiblichen Ratsmitglieder in der Schura nicht miteinander diskutieren. Dafür ist schon allein räumlich gesorgt, denn die Frauen dürfen die Versammlung im Al-Yamamah-Palast in der Hauptstadt Riad nur über einen gesonderten Eingang betreten und müssen in dem Saal in einer ausschließlich ihnen vorbehaltenen Sitzreihe Platz nehmen. Nach islamischem Gesetz sind Kontakte zwischen Männern und Frauen, die nicht miteinander verheiratet sind, verboten. Auch die Verschleierung nach islamischem Gesetz, die König Abdullah bei Bekanntgabe der Frauenquote für die Sitzungen des Gremiums noch einmal nachdrücklich einforderte, dürfte der Kommunikation bei der Versammlung nicht unbedingt zuträglich sein.

Gleichwohl: Wenn König Abdullah seine Versprechen hält, ist die Einberufung von Frauen in den Schura-Rat nur ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Vielleicht werden die weiblichen Mitglieder ja eines Tages ganz ohne Chauffeur am Steuer ihres eigenen Wagens zu den Sitzungen des Rates fahren; der 82-jährige saudische Prinz Talal Ben Abdel Asis hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, den Frauen das Autofahren künftig zu gestatten. Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in dem Frauen das Führen von Fahrzeugen noch immer verboten ist.

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