Zeitung Heute : Immer am Ball

Wer einen neuen Internet-Vertrag abschließt, kommt erheblich günstiger zum drahtlosen Netz-Vergnügen

Kai Kolwitz

In vielen Haushalten gehört es noch zur Grundausstattung: Das schwarze Kabel, das immer dann durch die Wohnung gezogen wird, wenn der Computer mit dem Internet verbunden werden soll. Wer Schluss machen will mit dem Kabelsalat, für den halten die Provider im Moment eine preiswerte Alternative parat: Wireless LAN, kurz WLAN soll mit Macht in den Markt gedrückt werden. Dementsprechend häufig wird subventionierte Technik angeboten, wenn man sich entschließt, einen DSL-Vertrag mit dem Unternehmen abzuschließen. Die Verbindung ins Netz wird beim WLAN einfach per Funk hergestellt, das Kabel kann im Schrank bleiben. In der Werbung ließ sich unter anderem Kicker-Star Michael Ballack beim entspannten Surfen auf der Terrasse beobachten.

Derjenige, der drahtlos ins Netz will, braucht Sender und Empfänger. Der Sender ist in althergebrachter Form eine Funkkarte, die es für den normalen PC zum festen Einbau, für den Laptop in der Regel zum Einschieben gibt. Immer mehr setzen sich in diesem Bereich so genannte USB-Sticks durch, die einfach in den entsprechenden Anschluss des Rechners gesteckt werden. Der Vorteil: Das Gehäuse kann geschlossen bleiben, ein Modul passt sowohl auf den stationären als auch auf den tragbaren PC. Wer einen DSL-Vertrag mit dem Provider Freenet abschließt, bekommt den Stick für 29,90 Euro dazu, AOL und Tiscali verlangen 39,95 Euro, 1&1 49,95 Euro für die Technik, die im Laden ab etwa 45 Euro erhältlich ist. Von Glück reden kann derjenige, der über einen Laptop mit Centrino-Technologie verfügt – der hat schon alles an Bord, um per WLAN ins Internet zu gehen. Und ob Centrino oder Einsteckkarte: Wer einen derart ausgestatteten tragbaren Rechner hat, kann auch unterwegs an so genannten „Hot Spots“ ins Netz, die es in Berlin zum Beispiel in einigen Starbucks-Filialen, im Sony-Center, in diversen Hotels wie dem Kempinski und dem Adlon oder am Brandenburger Tor gibt.

Fehlt noch der Empfänger, der dafür sorgt, dass die vom Computer gefunkten Signale auch irgendwo ankommen. Dieses auch Access Point genannte Gerät bieten die meisten Provider in Form eines so genannten „Routers“ an. Der Vorteil dieser Geräte ist, dass sie die Signale von mehr als einem Rechner gleichzeitig verarbeiten können – nützlich ist das etwa dann, wenn Sie im Arbeitszimmer surfen, während Michael Ballack gleichzeitig per Laptop auf Ihrer Terrasse im Netz die Fußballergebnisse nachschauen möchte.

Auch ein Modem ist in viele Geräte bereits integriert – hier lohnt sich der Kauf in Verbindung mit dem Abschluss eines DSL-Vertrags so richtig: Während die Technik im Laden noch deutlich über hundert Euro liegt, geben etwa AOL und 1&1 die Router an Neukunden für 29,90 Euro ab, Tiscali und Freenet verlangen knapp unter 50 Euro.

Bleibt noch die Frage, wie kompliziert die Installation eines WLAN ist. Die Antwort ist ein klares „Kommt drauf an“ und hängt vor allem vom Alter des Computers und dem benutzten Betriebssystem ab: Wer Windows XP verwendet, muss nur die Technik anschließen und die Treiber-CD einlegen, während der Rechner den Rest fast von allein erledigt. Läuft der Computer allerdings noch unter Windows 98, so sollte man ernsthaft darüber nachdenken, auf ein neueres Betriebssystem umzusteigen – der Upgrade geht allemal schneller und ist deutlich einfacher, als dem alten System beizubringen, was es mit der Funktechnik anfangen soll. Wer sich in Sachen Rechnerleistung und Betriebssystem unsicher ist, sollte besser beim Provider oder beim Hersteller nachfragen, was geht und was nicht, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Einen kleinen, aber entscheidenden Handgriff sollte man allerdings noch tun, wenn die Komponenten aufgebaut sind und funktionieren: die Verbindung gegen ungewollte Mitbenutzer sichern. WLAN kann durchaus über einige hundert Meter funktionieren und ist in der Werkskonfiguration in der Regel offen wie ein Scheunentor. Das heißt, dass jeder, der mit einem Laptop draußen vor der Tür vorbeikommt, auf Ihre Kosten ins Netz gehen und möglicherweise auf Ihre Festplatte zugreifen kann. Um das zu verhindern, sollte in den Netzwerk-Einstellungen die so genannte „WEP-Verschlüsselung“ aktiviert werden – das bedeutet, dass eine Art Passwort vergeben wird, mit dem sich der Rechner identifizieren muss, bevor er ins Netz kann. Nur ein kleiner Handgriff. Um so rätselhafter, dass die Verschlüsselung nicht direkt bei der Installation aktiviert wird.

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