Zeitung Heute : Immer höheres Armutsrisiko in Europa

Nur im Norden wächst der Wohlstand.

Brüssel/Berlin - Immer mehr Menschen in Europa sind von Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung bedroht. Dies geht aus dem Bericht über Arbeit und soziale Entwicklungen hervor, den EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am Dienstag in Brüssel vorstellte. Von der Gefahr einer dauerhaften Armut seien vor allem junge Menschen, arbeitslose Frauen und alleinerziehende Mütter betroffen. Zudem geht der Erhebung nach die soziale Schere zwischen den nördlichen und südlichen Ländern Europas immer weiter auseinander.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 nahm laut EU-Angaben in rund der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten das Armutsrisiko zu. Schlusslicht war Bulgarien, wo den Angaben zufolge 2011 rund die Hälfte der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht war. In Deutschland war demnach im vergangenen Jahr jeder Fünfte armuts- und ausgrenzungsgefährdet, EU-weit jeder vierte Bürger.

Während in Griechenland und Spanien 2011 mehr als jeder zweite Jugendliche keine Arbeit fand, lag in Deutschland, Österreich und den Niederlanden die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen unter zehn Prozent. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sprach sich dafür aus, im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise nicht einseitig auf Haushaltskürzungen zu setzen. „Wir brauchen beides: sowohl eine nachhaltige Konsolidierung der Finanzen als auch Wachstum“, sagte Schulz dem Tagesspiegel. Dabei müsse insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit verringert werden.

In Berlin erklärte der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sein Land unter der „Geißel der Arbeitslosigkeit“ leide, von der besonders die Jugendlichen betroffen seien. Gleichzeitig sicherte Samaras eine Fortsetzung des Reformkurses zu, um die Liquidität seines Landes zu gewährleisten. „Wir liefern, Europa hilft“, sagte der griechische Regierungschef. ame/KNA

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