Zeitung Heute : Immer schlauer

Immer mehr Beschäftigte auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt können eine Ausbildung vorweisen.Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sank die Zahl der westdeutschen Beschäftigten ohne Berufsausbildung von 1980 bis 1996 um fast ein Drittel.Dagegen habe sich die Zahl der Beschäftigten mit Berufsausbildung um rund ein Viertel erhöht.

Eigentlicher Gewinner sind nach der Untersuchung die Erwerbstätigen mit Hochschulabschluß.Ihre Zahl habe sich branchenübergreifend seit Anfang der 80er Jahre verdoppelt.Während die sogenannten Einfacharbeitsplätze um bis zu 70 Prozent abgebaut wurden, seien die Akademikerjobs um bis zu 190 Prozent aufgestockt worden.

Eindeutig positiv ist der Studie zufolge auch der Zusammenhang zwischen Mitarbeiter-Qualifikation und wirtschaftlichem Wachstum.Während die Branchen mit hohem Akademikeranteil seit 1980 um fast 60 Prozent wuchsen, mußten sich Wirtschaftszweige mit mittlerem Bildungsniveau mit knapp 25 Prozent bescheiden, und Branchen, die vorwiegend Ungelernte beschäftigten, kamen sogar nur auf eine Zuwachsrate von etwas mehr als neun Prozent.

Hinter den Trends steckten verschiedene Strategien, sich den veränderten Wettbewerbsbedingungen anzupassen.Branchen mit niedrigem Bildungsniveau rationalisierten vor allem durch Arbeitsplatzabbau.Die mittlere Kategorie setze dagegen vor allem auf einen höheren Kapitaleinsatz und neue Maschinen.Branchen mit viel Know-how aber könnten den technischen Fortschritt nutzen, um eine Strategie der Markterweiterung zu verfolgen.

Gleichzeitig geben die deutschen Unternehmen den Schulen aber schlechte Noten.Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "impulse" bei 500 repräsentativ ausgewählten Firmen.Danach sind 43 Prozent der Unternehmer der Meinung, die schulische Bildung ihrer Lehrlinge sei schlechter als vor fünf Jahren.Lediglich elf Prozent der Unternehmer halten das Bildungsniveau für höher.27 Prozent meinen, es sei gleich geblieben.

Hauptanlaß zur Klage sind die mangelhaften Fähigkeiten der Auszubildenden im Rechnen und bei der Rechtschreibung.Rund jeder zwölfte Unternehmer bezeichnet die Rechen-Fähigkeiten seiner Lehrlinge als mangelhaft oder ungenügend, bei den Deutschkenntnissen vergibt jeder achte diese Noten.Etwa genauso viele beurteilen auch die Fremdsprachenkenntnisse mit "5" oder "6".

Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) bezeichnete das Umfrageergebnis als Warnsignal."Je schneller heute die Wissensmenge wächst, desto wichtiger ist in den Schulen die Vermittlung von Kernkompetenzen wie Rechnen, Schreiben und Lesen", hieß es in einer Stellungnahme aus dem Ministerium. ADN

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