Zeitung Heute : Immer zum Wohl des Antragstellers Verwaltungsinspektorenlaufbahn

Annette Fahrendorf

Irgendwann landet fast jeder mal mit seiner Akte auf den Schreibtischen der Beamten, die bei den staatlichen Versicherungsträger über die Rentenanträge entscheiden. Diese Staatsdiener stellen mit jedem Bescheid Weichen: Geht der Urlaub des Ruheständlers auf die Malediven oder wird es nur für den nächsten Campingplatz reichen? Wird die Wurst beim Fleischer geholt oder geht es in Zukunft zu Aldi?

Am Fachbereich Sozialversicherung der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung werden derzeit 1414 Leute ausgebildet, die diese Entscheidung zu fällen haben. Je nach künftigem Mitarbeiterbedarf der Versicherungsträger nimmt der Berliner Fachbereich zwei Mal im Jahr Studierende auf: Zum 1. April starten bei der BfA 175 Studierende, bei der Bundesknappschaft 25. Am 1. Oktober kommen bei der BfA 175 weitere Studierende dazu, bei der Bundesknappschaft 50, bei der Bahnversicherungsanstalt 25, bei den LVA Berlin und Sachsen-Anhalt jeweils 20 und bei der LVA Brandenburg zehn. In drei Jahren lernen die Studierenden, sich im rentenrechtlichen Paragrafendschungel zurechtzufinden. Das Studium endet nach einer so genannten Laufbahnprüfung – zu der eine Diplomarbeit gehört – mit dem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt/in.

Wie an allen Fachbereichen der Fachhochschule sind die Studierenden gleichzeitig Beamte auf Widerruf und bekommen eine Besoldung. Dafür müssen sie aber auch einiges leisten. Semesterferien gibt es nicht, sondern wie bei Arbeitnehmern sechs Wochen Urlaub im Jahr. Die Ausbildung ist straff strukturiert und an der Praxis ausgerichtet. Nach sechs Monaten Grundstudium ist Zwischenprüfung, danach geht es ins erste Praktikum. Fälle aus dem behördlichen Alltag werden in kleinen Teams bearbeitet. Dieser Wechsel von Theorie und Praxis wird bis zum Schluss durchgehalten. „Damit haben wir beste Erfahrungen gemacht“, sagt Gudrun Dannhauer, Dekanin des Fachbereichs.

Voraussetzung für das Studium sind Abitur oder Hochschulreife. Die Bewerber müssen sich einem Eignungstest und einem Vorstellungsgespräch behaupten. Einsatzorte für die Absolventen sind bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) neben Berlin auch Gera und Stralsund.

Ob aus dem Beamtenanwärter ein Beamter auf Lebenszeit wird, entscheidet sich nach dem Studium. In den vergangenen Jahren sind aber alle, die damit einverstanden waren, auch übernommen worden. Im Arbeitsalltag erwartet die Verwaltungsinspektoren ein abwechslungsreiches und kompliziertes Tätigkeitsfeld. Allein von 1992 bis 2002 ist das Rentenrecht sechs mal umgestaltet worden. Alle diese Reformen und auch die von davor und danach müssen für jeden Einzelfall berücksichtigt werden. Im Mittelpunkt steht das Wohl des Antragsstellers. Jeder, dessen Akte hier auf dem Schreibtisch landet, hat ein Recht auf die für ihn günstigste Lösung.

Infos unter www.bfa.de und www.fhbund.de

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