Zeitung Heute : Immobilienboom: Gute Zeiten für Makler

Harald Olkus

Immobilien scheinen als Anlageobjekte wieder attraktiv zu werden. Trotz der Krise im Bausektor und spektakulärer Pleiten in der Branche sieht es so aus, als ob Anleger wieder mehr Vertrauen in die "altmodische" Immobilie fassen. Eine Entscheidungshilfe ist dabei sicher die anhaltende Katerstimmung nach dem Dotcom- und Börsenrausch. Allerdings ist der so genannte Neue Markt zumindest indirekt am Immobilienboom beteiligt, denn schließlich hat die Branche einen beträchtlichen Anteil an den guten bis sehr guten Flächenumsätzen der Immobilienmakler. Laut Jones Lang Lasalle war das Jahr 2000 in den deutschen Immobilienhochburgen in Bezug auf Vermietungen sogar ein Rekordjahr. Plötzlich ist selbst wieder von Flächenengpässen die Rede.

Der absolute Spitzenreiter ist München. Mit 1,085 Millionen Quadratmetern umgesetzter Bürofläche sei zum ersten Mal auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt die "magische Schallmauer von einer Million Quadratmetern durchbrochen" worden. Die größten Flächenabnehmer in der bayrischen Landeshauptstadt seien New Economy- und EDV-Firmen, "die mitunter einen immensen Büroflächenbedarf aufweisen", wissen die Makler von Jones Lang Lasalle. An zweiter Stelle der Rangfolge liegt die Bankenstadt Frankfurt. In der Mainmetropole wurden rund 700 000 Quadratmeter Bürofläche umgesetzt. Nach dem Rückgang im Jahr 1999 übertrafen die Hessen in 2000 sogar ihr bisheriges Glanzjahr 1998, und zwar um elf Prozent. Ein absolutes Umsatzhoch verzeichnete auch die Hansestadt Hamburg. Mit 560 000 Quadratmetern neu vermieteter Bürofläche lagen die Hanseaten an dritter Stelle in Deutschland. Auch hier war es vor allem die New Economy, die das "nie zuvor realisierte Ergebnis" bescherte. Erst danach folgt Berlin mit einem Flächenumsatz von rund 513 000 Quadratmetern. In Düsseldorf schließlich wurden 342 000 Quadratmeter umgesetzt, was auch hier ein "Allzeithoch" bedeutet.

Mit diesen Zahlen sieht das Makler-Unternehmen das Ende der Immobilienkrise der neunziger Jahre gekommen. Durch die hohe Nachfrage bei gleichzeitig rückläufigen Leerstandsraten sei es in fast allen Städten zu einem Flächenengpass gekommen. In Berlin, wo die Leerstandsrate noch bei rund acht Prozent liegt, gilt dies allerdings nur für größere und zusammenhängende Flächen der 1 A-Kategorie. In Teilen von Mitte und am Potsdamer Platz könne "die Nachfrage anmietungswilliger Unternehmen teilweise nicht mehr befriedigt werden", teilt Jones Lang Lasalle mit. In den anderen Städten liege die Leerstandsrate dagegen schon bei unter vier Prozent. In München und Frankfurt am Main herrsche in einigen Teilmärkten bereits Vollvermietung.

Wie zu erwarten, führt dies zu einem Anstieg der Mietpreise. In Frankfurt haben die Spitzenmieten bereits 90 Mark und mehr pro Quadratmeter im Monat erreicht. Berlin meldet das Unternehmen mit 60 Mark, München überraschenderweise nur mit 61, Hamburg mit 50 und Düsseldorf mit 44 Mark. Das Immobilienunternehmen erwartet deshalb in den kommenden zwei Jahren wieder ein Ansteigen der Neubautätigkeit. Angesichts der hohen Nachfrage, die nach den Erwartungen von Jones Lang Lasalle anhält, wird die Leerstandsrate aber keine beängstigenden Ausmaße mehr erreichen.

In weiten Teilen Europas ähnlich

Der anziehende Immobilienmarkt ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Nach einer Erhebung von FPD Savills sind Leerstandsraten von unter zwei Prozent, wie in München und Frankfurt, auch in anderen europäischen Großstädten zu beobachten. Die Mietpreise haben in Städten wie London und Paris allerdings ein weitaus höheres Niveau eingenommen. Im Londoner Westend wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2000 mehr als 223 000 Quadratmeter umgesetzt, mehr als die Hälfte davon ging an die Branchen Telekommunikation, Medien und Technologie. Die Spitzenmieten liegen bei rund 240 Mark pro Quadratmeter im Monat. Die Zahlen für die Londoner City sind etwas niedriger. Die Spitzenmieten liegen dort bei rund 170 Mark. Obwohl es etwas länger gedauert hat, bis es angenommen wurde, und die Distanz zur City recht groß ist, befindet sich das Business-Viertel Canary Wharf offensichtlich in Boom-Stimmung. Die Leerstandsrate liegt etwas über einem Prozent für einen Quadratmeter Bürofläche werden rund 115 Mark aufgerufen. Laut FPD Savills stehen kaum kurzfristig anmietbare Flächen zur Verfügung.

Ähnliche Verhältnisse herrschen in Paris. Der Flächenumsatz überstieg 2000 sogar das Vorjahresergebnis von mehr als zwei Millionen Quadratmetern. Die große Nachfrage vor allem für hochwertige Flächen hat zu einem kräftigen Anstieg der Mietpreise auf rund 110 Mark pro Quadratmeter geführt. Und die Vermieter beginnen bereits wählerisch zu werden. Obwohl viele New Economy-Unternehmen nach Flächen suchen, ziehen die Eigentümer Mieter aus den traditionellen Bereichen Finanzen und Recht vor.

Das höchste Niveau in den skandinavischen Ländern haben die Mieten in Stockholm erreicht. Die Spitzenmieten in der schwedischen Hauptstadt belaufen sich auf rund 90 Mark. Die Leerstandsrate liegt zwischen einem und zwei Prozent und vor allem im Zentrum kann die Nachfrage nach hochwertigen Flächen nicht mehr gedeckt werden, weshalb laut FPD Savills eine Abwanderung zur Peripherie eingesetzt hat. Steigende Mieten, anhaltende Nachfrage und Flächenknappheit gilt auch für Zürich, Wien, Mailand, Amsterdam und Lissabon. Aus dem durchschnittlichen Niveau von rund 50 Mark pro Quadratmeter ragen Dublin (90 Mark), Athen (80 Mark) und Madrid (66 Mark) heraus.

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