Zeitung Heute : In besserer Gesellschaft

Jörg Ziegler

In Berlin wurde der Preis für die „Soziale Stadt 2004“ verliehen. Was braucht es, um diesen Titel zu erlangen?

Es gibt nicht nur eine soziale Stadt. Gleich acht Städte wurden am Donnerstag in Berlin als „Soziale Städte 2004“ von Tilo Braune, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, prämiert. Nicht weil sie fehlerlos wären, sondern weil sie sich durch einzelne Projekte ausgezeichnet haben. Die Preise, die alle zwei Jahre verliehen werden, gehen nach Arnsberg, Berlin, Nürnberg, Vogt, Wiesbaden, Zwickau und zweimal nach Hamburg.

Aber wie wird man eigentlich „Soziale Stadt“? Fünf Kriterien sind maßgeblich. Zum einen sollen bei integrierten Projekten möglichst unterschiedliche Beteiligte zusammengeführt werden. Ein Beispiel: Stadtverwaltungen, Wohnungsunternehmen und Ladenbesitzer versuchen gemeinsam die Nachbarschaften in sozial schwachen Quartieren zu verbessern. Dazu sollen Anwohner einbezogen werden und mitgestalten. Außerdem soll das jeweilige Projekt eine dauerhafte Verbesserung der sozialen Situation zur Folge haben. Stichwort: Nachhaltigkeit. Auch ist die Kosten-Nutzen-Relation von Bedeutung. Und die Innovation spielt eine Rolle: Was ist die neue, ungewöhnliche Idee? Ziel ist es, Nachbarschaften zu stärken, Integration zu fördern und Lebensbedingungen zu verbessern.

Für Berlin hat sich die Erika-Mann- Grundschule in Wedding mit dem Projekt „Silberdrachenwelten – Ein Stück Heimat im Kiez“ hervorgetan. Die Schule hat sich mit dem Thema Überwindung von Benachteiligung durch Bildung befasst. Sie liegt in einem Wohnkiez, in dem sich soziale Probleme – hohe Arbeitslosigkeit, geringes Bildungsniveau, multikulturelle Bevölkerung – stark konzentrieren. In Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement Pankstraße und dem studentischen Projekt „Die Baupiloten“ der Technischen Universität Berlin hat die Schule die Schulkorridore und Treppenhäuser so umgestaltet, dass sie „zur neuen Heimat geworden ist“, wie Jurorin Ulla Luther von der Schader-Stiftung in Berlin betonte: „Schüler fühlen sich wohl.“

Die Schüler wurden bei der Planung mit einbezogen. Aus ihrer Fantasie wurde die Fiktion einer Silberdrachenwelt entwickelt und umgesetzt. Dadurch sei sowohl ihre soziale als auch die methodische Kompetenz gefördert, hieß es in der Laudatio der Jury. Außerdem sei die ästhetische Qualität des Schulgebäudes deutlich verbessert worden. Die Juroren sagten, dass die Grundschule beispielhafte Anstrengungen unternommen habe, damit die Benachteiligung der Eltern in Bildung und Beruf nicht automatisch an die Kinder vererbt werde.

Aber die Jury richtete den Blick nicht nur auf Bildungsprojekte. weitere Schwerpunkte waren das Zusammenleben von Jung und Alt, die Kooperation ortsansässiger Gewerbetreibender mit sozialen Einrichtungen und das zusammenwirken von Stadtverwaltungen mit Wohnungsunternehmen, Vereinen, freien Trägern und Bürgern.

Die Bewerbung für die „Soziale Stadt“ geht jedes Mal von den Projektleitern selbst aus – auch für 2006.

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