Zeitung Heute : In Cinemascope

Simon Schamas opulentes Rembrandt-Buch

Christina Tilmann

Sie waren die großen Kontrahenten ihrer Zeit: der eine höchst erfolgreich als Diplomat und Künstler, reich und anerkannt, bewohnte ein prunkvolles Haus, war Gast an den Fürstenhöfen der Welt, malte wie am Fließband, elegant und perfekt. Der andere kämpfte mit sich und der Welt, verlor Frau und Vermögen, ließ sich mit Hausbediensteten ein, war von der Gesellschaft ausgestoßen, als Künstler voller Selbstzweifel. Rubens oder Rembrandt – auf dieser Gegenüberstellung baut Simon Schama sein Buch „Rembrandts Augen“ aus dem Jahr 2000 auf. Zwar haben sie sich nie getroffen. Doch mit den Fakten nimmt es der 800-seitige Wälzer nicht immer genau. Und bietet dafür: eine süffige, fast romanhafte Darstellung, großes Drama, brillante Bildbeschreibungen, gewagte Thesen. Rembrandt in Cinemascope-Format: Das macht süchtig.

Simon Schama, Rembrandts Augen. Aus dem Amerikan. von Bettina Blumenberg. Siedler Verlag, Berlin 2000. 742 Seiten, 64 €

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