Zeitung Heute : In den Mond gucken

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ich träume ja nachts gelegentlich von Partys. Vor aIlem, von Partys, auf denen ich Platten auflege. In meiner Anfangszeit als DJ träumte ich zum Beispiel häufig, dass meine Arme plötzlich gelähmt waren, während ich bei einer tobenden Party hinter den Plattentellern stand – just in dem Moment, in dem ich die nächste Platte hätte hineinmischen sollen. Pause. Und die Leute begannen zu rufen: „Musik!", „Hey DJ, was ist los?". Oder: „Hang the DJ!“ Ich konnte gar nicht mehr hochgucken, so sehr schämte ich mich. Aber es gibt natürlich nicht nur Angst-Träume, sondern auch solche, in denen Wünsche zum Ausdruck kommen. Einer der schönsten war, dass plötzlich James Brown neben mir stand und mich fragte, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er ein bisschen zu den Platten singen würde, die ich spielte. Ich hatte natürlich nichts dagegen. Und dann spürte ich im Schlaf gerade, wie die Party mit James Brown am Mikrofon und mir an den Plattenspielern anfing abzuheben, als mich mein Wecker aus dem Schlaf riss. Aber genug von meinen eigenen Träumen, lieber von traumhaften Partys für Clubgänger.

Die ausgelassenste dürfte an diesem Wochenende mit Sicherheit im WMF stattfinden, wo heute Abend zur großen G-Stone-Nacht eingeladen wird. G-Stone ist die Plattenfirma von Kruder & Dorfmeister, die am kommenden Montag mit „Hunter Files" das Debüt-Album des Wiener Produzenten und DJs Rodney Hunter veröffentlicht. Das Album ist etwas ganz Besonderes, natürlich – immerhin veröffentlichen Kruder & Dorfmeister es. Rodney Hunter war jahrelang eine Hälfte des Teams von „Uptight“, das Mitte der 90er Jahre für die Sängerin Leena Conquest den Song „Boundaries" produzierte. „Boundaries" wurde ein Welthit, der bis heute von Hip Hop und Funk-DJs gespielt wird. Und Hip Hop und Funk prägen auch heute noch Rodney Hunters Musik und sind Teil seiner DJ-Show. Heute Abend wird Hunter, der kürzlich nach Berlin gezogen ist, einige Stücke aus seinem neuen Album vorstellen, und zwischendurch wird er sogar singen und seinen alten Freund DJ Richard Dorfmeister begleiten, wenn der seine Platten auflegt. Und Dorfmeister hat einen sehr langen Abend angekündigt! Es ist übrigens bereits die dritte G-Stone-Nacht im WMF, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie wieder so ekstatisch ausfallen wird, wie die vorherigen.

Ansonsten, tja, es tut mir Leid, Sie enttäuschen zu müssen… Aber Berlin ist an diesem Wochenende ein etwas verschlafenes Pflaster. Deshalb hier ein Vorschlag zur Güte: Machen Sie’s doch mal selbst. Feiern Sie Ihre eigene Tanzparty. Jaja, die Einwände kennen wir: Ist teuer und aufwändig und so weiter. Aber es geht auch billig. Nehmen Sie den Kassettenrekorder mit, fahren Sie an einen Wannsee- oder Müggelseestrand, packen Sie zwei, drei Decken mit ein, ein paar Flaschen Roten, tanzen Sie zu Hits von vor zehn Jahren ums Lagerfeuer, bis der Sand staubt und bis Ihnen warm ist. Und schauen Sie den Mond an. Gut träumen werden Sie danach auf alle Fälle.

G-Stone Night mit Richard Dorfmeister, Rodney Hunter und der Dutch Rhyhtm Combo im WMF, Café Moskau. Karl-Marx-Allee, Mitte, heute ab 23 Uhr.

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