Zeitung Heute : In der Bewerberfalle

Tipps gegen Fauxpas im Vorstellungsgespräch von Personalberaterin Carolin Fischer

Katja Winckler

Jedes Vorstellungsgespräch ist anders, doch es gibt typische Fehler. Vier Kandidaten erinnern sich an ihren größten Fauxpas. Carolin Fischer (41), promovierte Psychologin bei von Rundstedt & Partner, weiß, wie man sich in heiklen Situationen verhalten sollte.

Vorsicht Alkohol!

Ute Wilke, 46 Jahre, Reisekauffrau: „Als ich mich vor Jahren bei TUI beworben habe, bot mir der Personalchef, mit dem ich ein sehr nettes Jobinterview geführt hatte, einen Schnaps an. Ich dachte, ich dürfte den nicht ablehnen. Das war natürlich ein riesiger Fehler.

Fischer: Wer in Stresssituationen zum Schnäpschen greift, macht sich verdächtig. Eine klappernde Tasse Kaffee ist auch nicht ideal. Am besten, Sie beschränken sich auf das ungefährliche Glas Wasser.

Wiedersehen macht „Freude“

Martin Behrens, 42 Jahre alt, Bankkaufmann: Während meiner Lehrzeit wurde ich von einer Kollegin und der stellvertretenden Filialleiterin gemobbt. Jahre später bei einer anderen Bank ein Bewerbungsgespräch. Der Schock war groß, als ich plötzlich der Letztgenannten gegenüber saß. Das war sehr unangenehm - für uns beide. Wir haben 20 Minuten lang rumgeplänkelt. Heute würde ich entweder sagen, schön, dass wir uns wiedersehen. Wollen wir es noch mal miteinander versuchen? Oder das Gespräch freundlich aber bestimmt nach fünf Minuten beenden.

Fischer: Es wird nicht als Unhöflichkeit verstanden, sich vor dem Gespräch genau zu erkundigen, wer von Seiten des Unternehmens dabei sein wird. Lassen Sie sich Namen und Funktionen nennen und erfragen die übliche Dauer des Gesprächs.

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Julia Richter, 32 Jahre, Werbekauffrau: Als ich mich mal in einer Agentur vorstellte, musste ich mich an einen riesigen Konferenztisch aus Glas setzen. Den Agenturchef fand ich von der ersten Minute an unsympathisch. Mir war unwohl und heiß, meine Hände schwitzten. Ich wusste nicht wohin mit ihnen und wollte das Gespräch einfach nur hinter mich bringen.

Fischer: Versuchen sie anzusprechen, was sie unwohl fühlen lässt. Mal ist es die Sitzordnung, mal hat man den Namen nicht exakt verstanden und traut sich nicht nachzufragen. In der Regel haben die Gesprächspartner dafür Verständnis, es zeigt auch Selbstbewusstsein.

Doppelt hält besser?

Katrin Wegener, 29, Journalistin: Ich hatte mich bei einer Zeitschrift für ein Volontariat beworben. Im Vorstellungsgespräch sprach ich mit der Chefredakteurin und einem Volontär. Das Gespräch lief ganz locker, bis mich der Volontär erneut fragte, warum ich eigentlich für dieses Magazin arbeiten möchte. Das hat mich geärgert und offensichtlich auch die Chefredakteurin; die runzelte ihre Stirn.

Fischer: Ruhig Blut, wahrscheinlich wollte sich der Volontär nur aufspielen. Bleiben Sie auf jeden Fall freundlich und wiederholen Sie ihre gut vorbereitete Antwort. Katja Winckler

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