Zeitung Heute : In der Rotation einen Gruß aus der Heimat entdeckt

ANNETTE KÖGEL

Die "Klasse!"-Partnerklasse aus Kungsbacka zu Besuch beim Tagesspiegel / Das Blatt wird auch auf "Sweden"-Papier gedrucktVON ANNETTE KÖGEL BERLIN."Hej", rufen die Jugendlichen zur Begrüßung, "wir sind die Gruppe aus Schweden." Zwölf Stunden Anreise haben die 23 Schüler und ihre vier Lehrer hinter sich gebracht, um eine knappe Woche lang Berlin zu besichtigen, die Partnerschule in Brandenburg zu besuchen - und in der Redaktion vorbeizuschauen.Schließlich ist das "Aranäsgymnasiet" aus Kungsbacka rund 40 Kilometer südlich von Göteborg Ehrengast des Tagesspiegel-Medienprojekts "Klasse!" für Schulen.Und so fragten die Schüler aus Schweden und jene von der Werner-von-Siemens-Gesamtschule in Gransee Redakteure über ihre Arbeit aus, guckten Metteuren im Umbruch zu - und entdeckten in der Rotation eine unerwartete Verbindung zwischen Zeitung und Heimatland: Der Tagesspiegel wird auch auf "Holmen Paper Sweden" gedruckt."Klasse!": Innerhalb des Medienprojektes können sich in diesem Schuljahr rund 4000 Jugendliche in 150 Klassen einen Monat lang jeden Morgen am Schultisch in die Zeitung vertiefen.Im Haus erstellte Arbeitsmappen zu journalistischen und publizistischen Themen gibt es als Unterrichtsmaterial gratis dazu.Darin sind auch Tips zum Schreiben enthalten, die auf den monatlichen "Klasse!"-Sonderseiten zu jugendrelevanten Themen erscheinen.Zudem kann jede Klasse, die möchte, einen Redakteur zum Gespräch bitten.Oder, sofern es die Kapazitäten erlauben, den Mitarbeitern an der Potsdamer Straße über die Schulter gucken.Wie man im 65 000-Einwohner-Ort Kungsbacka auf das Berliner Blatt kam? Lehrerin Ingrid Akesson, deren Mann aus Berlin stammt, hatte in der Zeitung von "Klasse!" gelesen und um Teilnahme gebeten.Das Projektteam drückte beide Augen zu - schließlich mußten zuvor allerlei Anfragen von Vereinen, Ämtern und Ministerien abgelehnt werden.Im Gegensatz zu Berliner Lehrern, die oftmals Tagesspiegel-Artikel für den Unterricht nutzen, haben es die schwedischen Pädagogen schwer: Nach nur fünf Jahren Deutsch in der Schule haben die Schüler wegen der "avancierten Ausdrucksweise" Probleme mit "rerum cognoscere causas".Trotzdem haben die Jugendlichen Artikel ausgeschnitten und besprochen, zum Beispiel über "Sport, Computer, den Berlin-Marathon und die Jugendarbeitslosigkeit".Das Fazit der jungen Leser aus Schweden: "In der Zeitung stehen zuviele Fremdwörter", klagte eine Schülerin.Der Tagesspiegel wirke ernster und grauer als die heimatliche, seriöse "Göteborgsposten", in die die Neunt- und Zehntkläßler, wie sie versichern, "jeden Tag hineinschauen".Dann geht es um Lesegewohnheiten, Layout und den Berliner Zeitungsmarkt.Wie kommen Journalisten auf die Themen? Was kostet eine Anzeigenseite? Wieviele Mitarbeiter hat der Tagesspiegel? Eine Frage jagt die nächste, und zwischendrin übersetzen die Lehrerinnen die Antworten auf Schwedisch.Die Jugendlichen aus Kungsbacka waren schließlich selbst schon Tagesspiegel-Autoren, wie die 17jährige Mia auf der "Klasse!"-Seite über Medien in der Schule.Jetzt sehen die Schüler auf den Montage-Leuchttischen, wie der Redaktions-Spätdienst die einzelnen Seiten zum Druck freigibt.Die 15jährige Nicole aus Gransee filmt während der Führung fleißig mit Video, und die 14jährige Sabrina berichtet, daß sie in ihrem Brandenburger Blatt stets die Anzeigenrubriken mit Pferde-Verkäufen durchstöbert.Sven schreibt in Schweden für "Norra Halland" über Fußball - Anlaß, zu bestätigen, daß sich auch Tagesspiegel-Redakteure auf Themenbereiche spezialisieren.Die ersten druckfrischen Exemplare werden durchgeblättert und noch einige Erinnerungsfotos geschossen, bevor es mit dem Reisebus weiter durch die Hauptstadt geht.Zum Alex, zu Firmenbesichtigungen und vielleicht auch noch - Lehrerin Manuela Kugel drückt da bestimmt beide Augen zu - in die Granseer Kneipe "Hacke Duster".Die 15jährige Isabell aus Gransee freut sich schon auf den Gegenbesuch in Schweden innerhalb der vom Goethe-Institut vermittelten Schulpartnerschaft - und verläßt den Tagesspiegel mit einem neuen Berufswunsch."Ständig Leute ausquetschen, das würde ich auch gern machen." [

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