Zeitung Heute : „In drei Jahren haben wir das Warnsystem“

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Am Montag wird der Vertrag über das deutsche TsunamiFrühwarnsystem unterschrieben. Was leistet das System und was kostet es, Herr Kadiman?

Das deutsche System wird den Westen Indonesiens abdecken: Sumatra und vielleicht einen Teil der Südküste Javas. Allerdings können wir nicht ausschließlich mit Deutschland kooperieren. Wir sprechen auch mit Australien, Japan, den USA und Frankreich über unsere Inseln im Osten.

Deutschland gibt 45 Millionen Euro für den Aufbau der Technik. Kann Indonesien sich den Unterhalt leisten?

Wir wollen uns die Unterhaltskosten teilen und diskutieren noch darüber, ob die Kooperation über fünf oder zehn Jahre läuft. Das Frühwarnsystem soll auch gemeinsamer Meeresforschung dienen. Und ich wünsche mir wahren Technologietransfer, also auch die wissenschaftliche Ausbildung von Indonesiern.

Wann funktioniert das System?

Im Oktober schwimmt die erste Messboje, 2006 empfängt die erste Sammelstation Daten. Komplett steht das deutsche System in drei Jahren, dann ist Westindonesien versorgt. Das ganze Land abzudecken, braucht mehr als zehn Jahre.

Wie werden Informationen gewonnen und weitergeleitet?

Es wird Messpunkte am Seeboden, an der Wasseroberfläche und an Land geben. Bei Erd- oder Seebeben werden Stärke erfasst und Wirkung errechnet. Daten gehen über Satellit ins ganze Land und ins Ausland. Die Deutschen sagen, dass das nach einem Beben nur 13 Minuten dauere.

Wie werden im Ernstfall Menschen gewarnt?

Wir brauchen einen Ton, ein Wort oder ein Klopfsignal per Bambusstock. Das Signal muss nicht überall gleich sein, lokale Gegebenheiten sind wichtig. Wo Moscheen sind, können wir deren Lautsprecher nutzen. Wo Kirchen stehen, ihre Glocken. Die Hauptsache ist, dass allen sofort klar ist, dass ein Tsunami kommt. Wir brauchen gut erkennbare Fluchtwege und viele Übungen, mit denen wir Routine schaffen. Die größte Herausforderung ist, Menschen mit großem Zeitaufwand auszubilden, die sehr damit beschäftigt sind, ihr tägliches Brot zu sichern.

Kusmayanto Kadiman ist Forschungsminister von Indonesien.

Das Gesprächführte Moritz Kleine-Brockhoff.

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