Zeitung Heute : In Kroatien ist der Alltag eingekehrt

ULF BÖHRINGER

In Kroatien ist der Alltag eingekehrtDas Balkanland hofft in diesem Jahr auf 600.000 deutsche TouristenVON ULF BÖHRINGER

Kroatien will im Konzert der europäischen Tourismusländer wieder zu jenen gehören, die den Ton angeben.Das Balkanland, vom jahrelangen Krieg gebeutelt, verzeichnete denn auch im vergangenen Jahr erstmals wieder einen positiven Trend: Die Zahl der deutschen Touristen stieg gegenüber 1994 um 26 Prozent auf rund 450.000 (das Jahr 1995 wird "mangels Masse" erst gar nicht zum Vergleich herangezogen)."1997 wird Kroatien hoffentlich schon wieder 600.000 Deutsche begrüßen können", gibt sich Marian Bulat, Leiter der Kroatischen Zentrale für Tourismus (KZT), schon zu Beginn der ITB zuversichtlich. Der Grund für seinen Optimismus: "Kroatische Ziele werden dieses Jahr bei allen bedeutenden deutschen Pauschalreiseveranstaltern von ADAC bis TUI wieder angeboten."Im Katalag der ADAC Reisen liegt Kroatien mit 22 verschiedenen Orten sogar vor Spanien", freut sich Bulat.Was die kroatischen Touristiker besonders ermutigt, sind die sehr positiven Rückmeldungen der Veranstalter. Freilich wird Kroatiens Tourismus wohl nie mehr an die Zeiten der ausgehenden 80er Jahre anschließen, als Sehenswürdigkeiten wie die Plitwitzer Seen von Touristenmassen förmlich überflutet worden sind."Das wollen wir auch nicht mehr", bekräftigt Vinko Bartolac, Leiter des Nationalparks - und er hat guten Grund zur Zurückhaltung: "Die UNESCO, die die Plitwitzer Seen zum Weltnaturerbe erklärt hat, signalisierte uns, daß dieser Status bei den einstigen Besucherzahlen von bis zu 10.000 am Tag gefährdet ist." Während noch im vergangenen Jahr die Zahl der Besucher im Landesinneren und auch in Mittel- und Süddalmatien dadurch zwangsläufig begrenzt wurde, daß zahlreiche Campingplätze und Hotels nicht für Besucher freigegeben waren, dürfte sich die Situation dieses Jahr deutlich entspannen.Ankica Ronji, Leiterin des Frankfurter Büros der KZT: "98 Prozent der Hotels, die wir noch letztes Jahr für Flüchtlinge benötigt haben, stehen nach einer mehr oder minder umfänglichen Renovierung dieses Jahr wieder ihrem eigentlichen Zweck zur Verfügung." Auch einige Campingplätze, die von IFOR-Truppen "besetzt" gewesen seien, könnten jetzt wieder Gäste aufnehmen.Positive Meldungen gibt es auch zur Wasserqualität der Adria: "Die kroatische Adria ist natürlich und sauber.Die Bemühungen um den Schutz der Umwelt und die ökologische Denkweise sind auf Schritt und Tritt zu bemerken", sagt Öko-Experte Peter Carsten, der vom ADAC für die Begutachtung von Umweltproblemen engagiert wurde.Ein Konsortium europäischer Banken hat Kroatien einen Kredit von 105 Millionen Mark zur weiteren Verbesserung der Wasserqualität eingeräumt: "Das Geld wird nicht dafür verwendet, um bestehende Abwasserrohre einfach zu verlängern", sagte Bulat und versicherte: "Wir investieren es in den Bau von Kläranlagen." Zwar ist Kroatien nicht mehr das Billigreiseland von einst, doch können Touristen in Dalmatien und Istrien sowie im Landesinneren vergleichsweise preiswert Ferien machen: Das Preisniveau liegt generell etwa 20 bis 30 Prozent unter dem deutschen.Gegenüber dem Vorjahr sogar deutlich billiger geworden sind die Fährtarife der staatlichen Jadrolinija: Die Preise wurden im Schnitt um 20 Prozent gesenkt, die für viele Besucher ärgerlichen Billigtarife für die Kroaten sind weggefallen.Zudem wurden die Fährverbindungen stark ausgeweitet: Außer einer Taktverdichtung mancher Küstenrouten wurden neue Verbindungen nach Italien und Griechenland eingerichtet. Positiv für Auto-Urlauber: Die Grüne Karte wird bei der Einreise nicht mehr verlangt.Auch Croatia Airlines investiert: Man hat bei Airbus Industries eine Option auf 14 neue Flugzeuge vom Typ A 319 erworben. Auskunft: Kroatische Zentrale für Tourismus, Karlsruher Straße 18/8, 60329 Frankfurt, Telefon: 069/252045.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar