Zeitung Heute : In Schöneberg soll ein Veranstaltungszentrum in orientalischem Stil entstehen

Harald Olkus

Geht man des Abends die Schöneberger Hauptstraße entlang vom Kaiser-Wilhelm-Platz in Richtung Süden wird es bald ziemlich dunkel. Kurz nach der Albertstraße kommt ein kirchliches Feierabendheim, dann ein fahl beleuchtetes Parkhaus und schließlich ein blau-graues Gebäude mit Flachdach, auf dessen Balkonen schon die Birken wachsen. Bereits seit zwölf Jahren gammelt der "Prälat Schöneberg" vor sich hin. Mehrfach wurde versucht, eine neue Nutzung für das Gebäude an der Hauptstraße zu finden, doch die Zeit der alten Berliner Tanzpaläste, in deren Tradition der "Prälat" einmal gebaut wurde, ist vorbei. Zuletzt hatte es der Kinobetreiber United Cinema International (UCI) mit einem Multiplex-Kino versucht, doch die Pläne scheiterten.

Jetzt unternimmt die SF-Bau Projektentwicklung GmbH, eine Tochterfirma der Strabag, einen neuen Anlauf, der Brachfläche wieder Leben einzuhauchen. Nach einem Konzept der I.T.C. Immobilien Team Consulting GmbH, die in Hamburg ein Einkaufszentrum betreibt, will die SF-Bau an der Hauptstraße ein Veranstaltungszentrum im orientalischen Stil errichten. Das Projekt namens "Orienta" soll aber keine Mischung aus arabischem Souk und quirligem Türkenmarkt am Maybachufer werden. "Wir wollen ein hoch attraktives Gebäude bauen mit einem hochwertigen Angebot, das sich nicht an einer Markthalle orientiert", sagt Wolfgang Giloy, Projektentwickler der SF-Bau.

Im oberen Geschoss des geplanten vierstöckigen Gebäudes soll ein Fitness- und Wellness-Center mit türkischem Bad eingerichtet werden. Eine Etage tiefer werde eine Messeebene entstehen. Dort sollen sich ausländische Firmen darstellen und ihre Repräsentanzen einrichten können. Das zweite Obergeschoss wird dem Ladenhandwerk vorbehalten sein: Kleine Kunsthandwerksbetriebe vom Goldschmied über den Teppichknüpfer bis zum Tuchmacher sollen dort nach Giloys Vorstellung mit ihren Werkstätten einziehen. Der Schwerpunkt liege hier in der Herstellung und der Veredelung orientalischer Waren, nicht im Verkauf, betont er. In den unteren Geschossen entstehe eine Handelsfläche mit "Food Basar".

Das "Orienta" werde nicht zu einem weiteren Einkaufszentrum in Berlin, weist Giloy Bedenken zurück. Zum einen seien nur 25 Prozent der Gesamtfläche von 35 000 Quadratmetern für den Handel vorgesehen. Zum anderen werde es nur kleinteilige Flächen geben, die an keine der typischen Filialisten vermietet werden, die man sonst in einem Einkaufszentrum antrifft. Ein weiteres Einkaufszentrum in der Berliner Innenstadt wäre überdies kaum durchzusetzen. Außerdem gehe der Trend derzeit in Richtung Themenkaufhaus, sagt der Projektentwickler. Deshalb soll das "Orienta" seine Besucher mit einer Mischung aus Shopping, Dienstleistung und Unterhaltung anziehen. Die sollen nach einer Schätzung der I.T.C. zu 40 Prozent aus Schöneberg und den benachbarten Bezirken kommen, zu 40 Prozent aus weiteren Teilen Berlins und zu 20 Prozent aus dem ganzen Bundesgebiet.

Noch keine konkreten Vorstellungen

Das gesamte Angebot, wie auch die Architektur werde "orientalisch geprägt" sein, wobei sich der Orient für den Projektentwickler vom Nahen bis zum Fernen Osten erstreckt. Bezüglich der Architektur des Gebäudes habe er "noch kein Bild im Kopf", sagt Giloy. In der Flächeneinteilung und im Warenangebot werde sich das "Orienta" zwar an einem arabischen Basar orientieren, die Räume sollen im Gegensatz dazu aber "sehr hell und transparent" werden.

Die Vermietung der Flächen läuft über die I.T.C. Die Nachfrage sei groß, sagt Giloy, es gebe bereits eine Reihe von Flächenreservierungen. Wenn alles glatt geht, soll im Oktober mit dem Abriss des ehemaligen Ballhauses begonnen werden. Doch noch besteht kein Baurecht für das Projekt. Der Investor hat das Grundstück zwar notariell gesichert, doch ob er tatsächlich bauen kann, wird die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) entscheiden. Denn das Gebäude könne nur wirtschaftlich betrieben werden, wenn keine gravierenden Änderungen mehr am Konzept vorgenommen werden müssen. "Wir haben uns bei der Planung weitgehend an den Bebauungsplan gehalten, der ja die Zustimmung der BVV hat. Deshalb dürfte es keine schwerwiegenden Probleme geben", meint Giloy. Ihm sind allerdings Bedenken der Grünen gegen zusätzlichen Autoverkehr in der Hauptstraße bekannt. Und auch bezüglich der Grünfläche, die anstelle des jetzigen Parkhauses angelegt werden soll, besteht noch Verhandlungsbedarf. Grundsätzlich sei die Forderung nach einer Grünverbindung zwischen Feurig- und Hauptstraße sinnvoll, sagt Giloy, allerdings bestehe noch Uneinigkeit über die Breite und den Charakter der Grünfläche.

Ein weiteres "K.O.-Kriterium" sei die Denkmalpflege, denn weite Teile des Ballhauses aus den sechziger Jahren sind denkmalgeschützt. Die Erhaltung des historischen "Wappensaals" mit Berliner Stadtwappen an der Wand sowie des über 1000 Quadratmeter großen "Marmor-Kronen-Bankettsaals" stehe außer Frage, sagt Giloy, auch wenn sich die Räume, die den Charme der Frühzeit der Bundesrepublik versprühen, nicht eben leicht in eine orientalische Umgebung eingliedern lassen.

Bis zur Zustimmung der BVV wird Giloy also noch über einige Fragen verhandeln müssen. Das sei er aber gewohnt, meint der Projektentwickler. Er habe acht Jahre im Nahen Osten gearbeitet und sich dort an die arabische Sitte des Feilschens gewöhnt. Und feilschen sei ja nur ein anders Wort für verhandeln.

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