Zeitung Heute : In Unternehmungslaune

Antje Sirleschtov

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat einen Entwurf zur Unternehmensteuerreform vorgelegt. Was will die Bundesregierung mit dieser Reform erreichen und wer profitiert davon?


Ab 2008 sollen die Unternehmen in Deutschland weniger Steuern zahlen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) legte dazu am Sonntag einen ersten Gesetzentwurf vor, der am 14. März im Bundeskabinett verabschiedet und noch vor der Sommerpause im Bundestag und Bundesrat beschlossen werden soll.

Kernpunkt der Reform ist die Absenkung der Steuern für Körperschaften (AGs und GmbHs) von heute knapp 40 auf unter 30 Prozent. Im Gegenzug sollen Unternehmen in Zukunft weniger Möglichkeiten bekommen, ihre in Deutschland erzielten Gewinne mit Verlusten zu verrechnen. Dazu sollen die gesetzlichen Regeln zur Errechnung der Gewerbesteuer verschärft werden. Für Kapitalanleger soll ab 2009 eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent eingeführt werden. Die Steuer soll dann anonym von den Banken an die Finanzämter abgeführt werden. Wer Einkünfte aus Kapitalanlagen erzielt und einen geringeren persönlichen Einkommensteuertarif als 25 Prozent zahlt, kann allerdings nach wie vor seine Einkünfte mit der Jahressteuererklärung deklarieren. Mit den Kirchen haben die Banken vereinbart, dass die Kirchensteuer auf Kapitalerträge direkt von den Banken an die Kirchen gezahlt wird.

Die Unternehmensteuerreform wird Bund, Länder und Kommunen fünf Milliarden Euro im Jahr kosten, für 2008 wird sogar mit acht Milliarden Euro gerechnet. Mittelfristig jedoch erwartet das Finanzministerium Steuermehreinnahmen.

STEUERSÄTZE

Der Körperschaftsteuersatz fällt auf 15 von 25 Prozent. Zusammen mit einer geänderten Gewerbesteuer und dem Solidaritätszuschlag sinkt die Gesamtlast der Konzerne damit im Schnitt auf 29,83 von 38,65 Prozent. Personengesellschaften müssen von Gewinnen, die in der Firma verbleiben, nur 28,25 Prozent an den Fiskus abführen. Wird der Gewinn später entnommen, muss nachversteuert werden. So wird auch der Mittelstand entlastet.

ZINSSCHRANKE

Dieses – im internationalen Vergleich einmalige Instrument – soll verhindern, dass Konzerne die Gewinne ihrer Töchter im großen Stil ins Ausland abziehen. Das geht zum Beispiel durch hohe Kredite. In Zukunft sollen die Zinsausgaben – wenn sie höher als 30 Prozent des Gewinns sind – nicht mehr komplett abgesetzt werden können. Um den Mittelstand nicht zu treffen, greift die Schranke erst bei einem Zinssaldo von einer Million Euro. Zudem ist ein höherer Abzug möglich, wenn konzerninterne Vergleiche ergeben, dass die deutschen Firmen nicht über Gebühr fremdfinanziert werden.

VERLAGERUNGEN INS AUSLAND

Firmenkäufe, die den Zweck haben, sich den Verlustvortrag zu sichern (Mantelkäufe), will die Koalition erschweren. Ebenso soll die Verlagerung von ertragsstarken Firmenteilen ins Ausland schwieirger werden, indem solche Funktionsverlagerungen innerhalb des Konzerns konsequenter besteuert werden.

MITTELSTAND

Der Mittelstand soll neben der Senkung des Steuersatzes auf einbehaltene Gewinne auch davon profitieren, dass Investitionen in den Vorjahren gewinnmindernd angespart werden können. Diese Ansparabschreibungen werden weiter verbessert. Die degressive Abschreibung beispielsweise von Autos oder Maschinen wird hingegen abgeschafft.

GEWERBESTEUER

Die Gewerbesteuer kann nicht mehr mit sich selbst verrechnet und als Betriebsausgabe vom Gewinn abgezogen werden. Dafür gilt künftig ein höherer Faktor bei der Verrechnung mit der Einkommensteuer. Die bisher geltende Hinzurechnung von 50 Prozent der Dauerschuldzinsen zum Gewinn entfällt. Dafür müssen zinsrelevanten Ausgaben und der Finanzierungsanteil bei Pachten, Mieten und Leasing zu 25 Prozent hinzugerechnet werden.

ABGELTUNGSTEUER

Ab 2009 beträgt die Abgeltungsteuer 25 Prozent auf Kapitalerträge. Das bisherige Halbeinkünfteverfahren (Teilung der Steuerlast zwischen Firma und Kapitalanleger) und die Spekulationsfrist von einem Jahr, nach der Aktien wieder steuerfrei verkauft werden können, entfallen.

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